I Should Have Never Gone Ziplining (South Park)

Die Frühlingsferien nähern sich dem Ende und die Jungs sind depressiv. Denn sie haben die ganzen Ferien über nur Videospiele gespielt,  sie haben nichts erlebt. Geschickt bringt Stan seine Freunde dazu, Ziplining zu gehen. Dabei handelt es sich um einen riesigen Klettergarten in den Bergen Colorados. Die Jungs sind begeistert und buchen einen Tag in dem riesigen Park. Schnell häufen sich jedoch die Enttäuschungen: Sie reisen in einer Reisegruppe, der Anfahrtweg dauert mehrere Stunden und zuletzt ist das Abseilen total öde. Als sie nach dem ersten Seilen erfahren, dass sie 16 Fahrten machen müssen, ist klar: Hier geht es um Leben und Tod.

Die Folge ist im Stil der amerikanischen Serie „I shouldn’t be Alive“ gehalten. Darin werden Überlebende von besonders gefährlichen Unfällen interviewt und die dramatischsten Szenen werden nachgespielt. In der Regel handelt es sich im Original um Schiffbrüche oder Flugzeugabstürze. In dieser Episode geht es darum, dass die Jungen einen besonders langweiligen Tag haben. Ein besonders langweiliger Tag müsste eigentlich zu einer besonders langweiligen Folge führen. Hier greifen die „dramatischen“ Tricks aus dem zu parodierenden Original. Mit hektischer Musik, rasch geschnittenen Szenen und einem überzogenen Sprecher kann viel Dramatik erzeugt werden.

Die Folge ist so kurzweilig. Besonders putzig wird sie, als auf einmal Szenen nachgespielt werden. Dabei werden die Zeichentrickfiguren erstmals mit echten Menschen ersetzt. Das wirkt zwar schlecht geschaupielert (was wohl gewollt ist), sorgt aber für eine herrliche Schlusspointe. Denn als die Folge wieder in die Zeichentrickeinstellung wechselt, wird eingeblendet: Orignalbilder von der Rettung. Es steht natürlich außer Frage, dass die Jungen von einem Scheißehaufen gerettet werden. Wer soll einen denn sonst von einem besonders langweiligen Tag retten?

Die Story selbst, man merkt es wohl, ist absolut unterirdisch. Die Botschaft dahinter ist hingegen wichtig. Das Fernsehen macht aus banalen Dingen mit wenigen, immer gleichen Tricks angeblich daramatische Ereignisse, die einen zum dauerhaften Weitergucken verleiten. Die skurrilen Wendungen dieser Episode (die Jungs satteln noch auf Pferde und Schiffe um, die allesamt gleich langweilig sind) werden jedes Mal mit der typischen Werbeansage begleitet, die Spannung suggeriert, bei der dann doch nur Langeweile herauskommt. Die Tricks der Dokumentationsmacher sind hier gut satirisch dagestellt.

Außerdem gehen die wahren Probleme, Kennys Krankheit, bei Cartmans ungesunder Ernährungsweise völlig unter. Denn die Doku konzentriert sich ausschließlich auf Cartmans Probleme. Das wiederum macht deutlich: die wahren Probleme werden meist gar nicht thematisiert. Stattdessen kümmern sich Fernsehdokumentationen eher um die nebensächlicheren, aber spektakulärer wirkenden Themen. Das sollte man im Hinterkopf haben, wenn man sich das nächste Mal die N24-Werbung antut, weil angekündigt wurde, dass danach Hitlers manische Depression aufgeklärt wird.

„I Should Have Never Gone Ziplining“ ist keine besonders lustige Episode. Die Lacher sind eher rar gesäht. Doch die Episode verdeutlicht auf einzigartige Weise, wie unsinnig die meisten TV-Dokumentationen (vor allem die von Privatfernsehsendern) geworden sind. Allein dafür lohnt es sich die Folge anzusehen. Wie alle „South Park“-Folgen ist „I Should Have Never Gone Ziplining“ auf der deutschen Seite der Serie kostenlos ansehbar.

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