Die Welt in Gelb

Zu Beginn des Jahres wurde die Reclam-Universalbibliothek umgestaltet. Während die Farben lediglich leicht angepasst wurden, änderte sich die Platzierung sowie der Hintergrund der Schrift erheblich. Aus diesem Anlass gab der Reclam-Verlag ein hundertseitiges Buch heraus, das sich unter dem Titel „Die Welt in Gelb“ mit der Umgestaltung auseinandersetzt.

Das Buch ist mit vielen farbigen Abbildungen und mit großer Schrift versehen. Außerdem erscheint das Papier etwas besser, als für Reclam-Verhältnisse üblich. Das ist schade, schließlich dreht sich in dem Text alles um den Mythos „Reclam“. Der lebt aber nun einmal auch von der inneren Gestaltung.

Den Hauptteil macht der Text des Gestalters Friedrich Forssman aus. Er liefert eine gestalterische Geschichte der Verlagserzeugnisse. Das ist spannend zu lesen, zumal er immer wieder andere Kommentatoren zu Wort kommen lässt. Auf dieser Weise erfährt man, dass die Gestaltung der Bücher immer sowohl zeitlose Aspekte als auch Modeaspekte innehatte. Der Text ist, vor allem für Nichtkünstler, informativ und kurzweilig. Highlight ist der Satz: „Nach über 20 Jahren war der angeschnittene Balken – ein typisches 80er-Jahre-Motiv – nicht mehr recht zeitgemä߅“.

Der Herausgeber des Bändchen, Karl-Heinz Fallbacher fügt diesem Text noch einige informative Abschnitte hinzu. Der Leser erfährt mehr über die Geschichte der Farbgebung der Universal-Bibliothek seit 1969, zum früheren Preissystem der Reihe und zu der Programmentwicklung der Bibliothek. Die dort beschriebenen Entwicklungen lassen sich aus den heutigen Büchern der Reihe nicht mehr ablesen und sind sehr interessant.

Nur für besondere Fans der Universal-Bibliothek eignen sich die abschließenden Texte über das Nummernsystem der Reihe und über die UB zwischen „Kunst, Kult und Kommerz“. Wer wie ich als Kind dachte, die Nummern der UB seien alle gefüllt, wird in ersterem Text übrigens enttäuscht. Natürlich umfasst die UB nicht 20 000 Titel, sondern gerade einmal 3 000 zur Zeit lieferbare Titel. Dass die einzelnen Reihen über eigene „Nummernkorridore“ verfügen und wie früher mit Lücken in der Nummerierung umgegangen wurde, erfährt man in dem Text über die Nummerierungsentwicklung.

„Die Welt in Gelb“ wird abgeschlossen durch einen Artikel aus der Neuen Zürcher Zeitung von Peter Haffner. Darin beschreibt der Autor, dass er viele Objekte besetzt, die für ihn die Funktion eines Iphones erfüllen: Reclam-Bücher. Der Autor geht nie aus dem Haus, ohne ein Buch mitzunehmen. Und meist eignet sich dafür schlicht ein Reclam-Buch. Für alle, die ebenfalls das Haus nie ohne Buch verlassen, ist das eine sehr unterhaltsame Hymne auf die Universal-Bibliothek.

Für alle Liebhaber der Universal-Bibliothek, die sich in der Geschichte und Gestaltung des Verlages noch nicht umfassend auskennen, ist „Die Welt in Gelb“ ein Gewinn. Das Buch bietet der Verlag zum Durchblättern auf seiner Homepage und verschickt es auf Anfrage. Außerdem ist es gegen eine Schutzgebühr von einem Euro in guten Buchhandlungen erhältlich.

Add a Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.