Die eiserne Lady

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Margaret Thatcher kauft – vermutlich in der Gegenwart – eine Packung Milch und ist erstaunt darüber, wie teuer sie ist. Während ihr Umfeld besorgt darüber ist, dass sie mit ihrer Alzheimer-Krankheit das Haus allein verlassen hat, unterhält sie sich mit ihrem verstorbenen Mann. In dieser Wahnvorstellung erinnert sie sich immer wieder an wichtige Stationen ihrer politischen Karriere.

Ein Biopic über die erste britische Premierministerin zu machen, ist eine gute Idee. Margaret Thatchers Leben hätte vermutlich Material für eine Reihe von Filmen geliefert. In diesem Film darf ihre Vergagnenheit leider nur die Hälfte der Zeit einnehmen. Die andere Hälfte handelt von der heutigene Thatcher und ihrre Erkrankung. Das ist leider wirklich schlecht.

In Großbritannien soll die Darstellung der Krankheit zu einem Aufschrei geführt haben. Konservative waren entsetzt, dass ihr Idol so schwach dargestellt wird. Dabei ist das gar nicht das Problem. Das Problem ist, dass diese Handlung einfach völlig unnötig ist. Man kann ja durchaus zeigen, dass es Margaret Thatcher heute nicht mehr gut geht. Das ist legitim. Aber die Hälfte des Films darauf zu verschwenden, ist unnötig.

Denn der Film gewinnt dadurch kaum etwas. Die Wahnvorstellungen sind am Anfang ganz gut. Doch auf Dauer nerven sie. Thatcher löst sich zum Schluss von der Vorstellung, sie könne jederzeit mit ihrem verstorbenen Mann reden. Das suggeriert leider, dass ihre Krankheit heilbar sei. Das ist nicht der Fall. Insofern ist die Aussage der Alzheimer-Strangs gänzlich unklar. Klar ist hingegen, dass er für eine relevante Beschäftigung mit der Krankheit nicht aussagekräftig genug ist.

Darüber hinaus stört, dass dieser Teil des Films ausschließlich auf Spekulationen beruht. Das ist schade, denn dadurch verliert er an Glaubwürdigkeit. Ein Biopic über Thatcher kann nicht objektiv sein. Die Politikerin hat dafür viel zu stark polarisiert. Doch ein solcher Film müsste sich entweder darum bemühen, objektiv zu wirken oder aber einen klaren politischen Standpunkt vertreten. Die Spekulationen über Thatchers heutigen Gesundheitszustand beziehungsweise die Art, wie sie mit ihrer Krankheit umgeht, verhindern beides.

Die Stationen in Thatchers Leben sind fast immer gut inszeniert. Sie kranken nur daran, dass sie durch die langen Zwischenszenen nur wie Schnipsel wirken. Natürlich muss ein Film über das ganze Leben der Eisernen Lady episodisch aufgebaut sein. Hier sind die Szenen teilweise aber so kurz, dass sie nicht einmal mehr als Episode bezeichnet werden können.

Dadurch sind die nichtssagenden Zwischenszenen noch ärgerlicher. Viel mehr aus Thatchers Leben hätte gezeigt werden können. Dem Film hätte eine politische Aussage zu Grunde liegen müssen. Das wäre für die Drehbuchautoren riskanter gewesen, hätte ihn aber interessanter gemacht.

Bei all der Kritik an der durchwachsenen Handlung, ist die Hauptperson jedoch grandios gespielt. Meryl Streep hat den Oskar für die beste weibliche Hauptrolle wahrlich verdient. Ihre Darstellung Thatchers ist berührend und wirkt sogar an völlig abstrusen Handlungsabschnitten überzeugend. Sie rettet diesen Film auf ein erträgliches Niveau.

Ich habe den Film in der englischen Originalversion gesehen. Es ist beachtlich, wie gut Streep den Akzent Thatchers imitiert hat. Ich denke, dass der Film in der Originalversion überzeugender wirkt als in der synchronisierten Fassung.

„Die Eiserne Lady“ wartet mit einer überragenden Hauptdarstellerin auf, die vor allem in der englischen Version sehr überzeugend ist. Leider bietet der Film keine gelungene Handlung. Wer eine großartige Meryl Streep erleben möchte, sollte sich diesen Film ansehen. Wer eine interessante Handlung erwartet, lässt es lieber bleiben.

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