Extrem laut und unglaublich nah (von Jonathan Safran Foer)

Oskar hat eine sehr innige Beziehung zu seinem Vater. Dieser fällt den Anschlägen des 11. September 2001 zum Opfer. Oskar weiß und versteht nicht, warum sein Vater sich an diesem Tag im World Trade Center befand. Außerdem hört er auf dem Anrufbeantworter einige Nachrichten, die sein Vater wenige Momente vor seinem dort hinterlassen hat. Er versteckt sie vor allen anderen und durchsucht die Sachen seines Vaters nach einem Grund für den Aufenthalt im World Trade Center. Oskar zerstört dabei versehentlich eine Vase, in der sich ein Schlüssel und der Hinweis „Black“ befinden. Oskar sucht von nun an nach dem Schloss für den Schlüssel. In New York ist das keine einfache Aufgabe.

„Extrem laut und unglaublich nah“ erzählt die Geschichte einer ziemlich verstörten Familie. Oskar und seine Mutter leiden unter dem Verlust des Vaters. Dabei gelingt es Oskar über lange Zeit nicht, seiner Mutter offen gegenüber zu treten. Stattdessen nimmt er es ihr übel, dass sie überlebt hat und das lässt er sie an einigen Stellen deutlich spüren. Die Großmutter hat ihren Sohn verloren. Im Lauf des Romans stellt sich jedoch heraus, dass ihr Leben schon immer schwierig war. Oskars Großvater verließ die Familie noch vor der Geburt seines Sohnes. Bei ihm handelt es sich um eine sehr verletzte und dadurch sehr verstörte Person. In Deutschland war er in die Schwester von Oskars Großmutter verliebt, die bei dem Bombenangriff auf Dresden umkam. Seitdem redet er nicht mehr. Stumm lernte er Oskars Großmutter kennen und führt mit ihr eine äußerst merkwürdige Beziehung.

Diese Zusammenhänge in der Familie bekommt man erst im Verlauf des Romans mit. Dabei werden die Kapitel aus Oskars Perspektive erzählt. Zwischendurch gibt es jedoch immer wieder Briefe des stummen Großvaters und der Großmutter, die zusammen vermutlich die Hälfte des Romans ausmachen. Aus diesen drei Perspektiven kann man sich im Lauf des Romans einen Großteil der etwas traurigen Familiengeschichte konstruieren.

Oskars Suche ist dennoch das Spannendste an dem Roman. Die Geschichte der Großeltern um Krieg und unausgesprochene Gefühle bleibt zu fantastisch, als dass sie wirklich mitreißen würde. Die ständigen Besuch Oskars bei fremden Leuten, denen er mit seinen kindlichen Gedanken gegenübertritt, sind hingegen sehr gelungen. Seine Perspektive ist sehr gut dargestellt und es ist häufig amüsant, wie er die Gespräche mit fremden Menschen führt.

Der Roman ist sehr interessant gestaltet Foer spielt mit vielen Fotos, farblichen und textlichen Elementen. Das lockert die Lektüre auf und hilft über die teilweise anstrengenden Stellen der schweigsamen, artikulationsarmen Großeltern hinweg. Doch obwohl die Deutschland-Geschichte der Großeltern etwas übertrieben wirkt, sind die Gefühle vor allem der Großmutter sehr überzeugend dargestellt. Die Beziehung zwischen ihr und Oskar ist sehr gelungen.

Foer bietet mit „Extrem laut und unglaublich nah“ einen berührenden Roman, der einen kreativen Jungen bei der Verarbeitung seiner Trauer zeigt. Der Roman kann kein Happy End aufweisen, weil sowohl der Tod Oskars Vater als auch die Stille zwischen den Großeltern nicht rückgängig zu machen sind. Stattdessen müssen sowohl Oskar als auch seine Großeltern damit Leben lernen, wie die Dinge gelaufen sind. Auch das kann selbstverständlich nicht zur Gänze gelingen, es kann nur ertragen werden. Dies schildert Foer auf unterhaltsame und lesbare Art und Weise.

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