Versunkene Gräber (ARD-Radiotatort)

Ein Kleinkrimineller erscheint nicht zu seiner Vorladung beim Hamburger LKA. Stattdessen wird er im deutsch-polnischen Grenzgebiet ermordet aufgefunden. Raubmord, sagt der lokale Kommissar. Mafiamord, sagt die LKA-Beamtin Bettina Breuer.

Der Zuhörer weiß zunächst natürlich genau so wenig wie die beiden Ermittler und kann lediglich spekulieren. Bald ahnt man, durch Zwischensequenzen in Polen angestachelt, dass es keins von beidem ist.

Breuer ist jedoch lange Zeit von ihrer Mafia-Theorie überzeugt. Das hilft dem Fall, einige politisch heiße Themen anzusprechen. Denn Breuer verdächtigt einen örtlichen Baulöwen, der mit Fördergeldern trickt, ahnungslose Investoren ausnimmt und zudem Schwarzarbeiter beschäftigt. Anhand dieses Bauherren wird nicht nur angeprangert, wie zu oft mit Fördergeldern umgegangen wird, sondern auch wie Landschaften durch übergroße Gebäude verschwandelt werden.

Leider trägt dieser Teil des Falls letztlich nichts zur Lösung des Falls bei. Lediglich der Hinweis eines polnischen Bauarbeiters hilft Breuer weiter. Das ist etwas schade, denn anhand des Baulöwen hätte man ebenfalls einen guten Fall konstruieren können.

So läuft dann aber tatsächlich alles darauf hinaus, dass es sich bei dem Mord weder um Raubmord noch um organisiertes Verbrechen handelt. Das zweite angesprochene Thema dreht sich um die polnischen und deutschen Vertreibungen nach dem zweiten Weltkrieg. Denn viele Deutsche, die oder deren Vorfahren nach dem zweiten Weltkrieg vertrieben wurden, kehren nun zurück, um ihr „verlorenes Gut“ zu betrachten. Einige versuchen dabei auch, Verlorenes zurückzuerwerben. Dabei vergessen die meisten, dass nicht örtliche Polen die Immobilien übernommen haben. Denn auch die polnische Grenze wurde stark verschoben und viele Polen wurden umgesiedelt. Diesem sensiblen Thema nähert sich der Fall sehr gut.

Denn Breuer schleust einen V-Mann unter die des Mordes verdächtigen Polen. Der verhält sich zwar äußerst unprofessionel, ist für die Aktion jedoch auch nicht ausgebildet. Zum Schluss stellt sich heraus, dass dem Mord keinerlei böse Motive zugrundelagen. Stattdessen enthüllt der Fall eine Familientragödie. Das ist gut, zum Schluss sogar etwas spannend, aber nichts besonderes.

Die Auflösung des Falles ist nämlich nach der Hälfte des Hörspiels klar. Denn der geistig gestörte Täter wird immer wieder in Zwischensequenzen eingespielt. Das hätte man sich einfach sparen können, dann wäre die Auflösung deutlich überraschender geworden. Dazu kommen noch gewisse Längen, weil sich der örtliche Kommissar und die LKA-Beamtin natürlich mal wieder von früher kennen müssen und viel aufzuholen haben. Dieser Einfall, dass sich ein früheres Paar durch einen Fall wiedertrifft, ist mittlerweile doch etwas überstrapaziert.

Doch da „Versunkene Gräber“ zwei interessante Themen (Bauwut und Vertreibungsfolgen) sensibel in ein authentisches Hörspiel verarbeitet, ist der Radiotatort durchaus interessant und angenehm zu hören. Nur die Längen durch die Kommissarskonstellation und die Zwischensequenzen hätte man sich sparen können. 

Die Folge kann man sich noch bis zum 22.12. auf der Seite der Serie runterladen.

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