Peinlich – Peinlicher – CDU (II)

Die Union muss noch immer leuchtende Augen bei dem Gedanken an frühere „Rote Socken“-Kampagnen haben. Auch wenn diese in letzter Zeit eher schief liefen, in Hessen zunächst der SPD halfen und in NRW sogar eine rot-grüne Minderheitsregierung ins Amt verhalfen, möchte man sich nicht davon lösen. Nachdem im letzten Jahr bereits zwei Negativkampagnen auf krasse Art gescheitert sind, versucht man nun erneut, die SPD zu diskreditieren.

2010 begann die CDU mit ihrer Kampagne „Die dagegen Partei“. Damit zielte man auf die angebliche Verweigerungshaltung der Grünen. Obwohl sich dieser Begriff durchaus einprägte, begann der Höhenflug der Grünen erst nach der Kampagne wirklich. Die erste Hälfte des Jahres war fast ausschließlich von Grünen Erfolgen dominiert, die Kampagne scheiterte also kläglich.

Danach begann man die Seite „Die Schlinger-Partei-Deutschlands (SPD)“ einzusetzen. Diese Kampagne hatte überhaupt keinen Effekt. Die SPD stagnierte einfach wo sie war. In letzter Zeit ging es für Deutschlands älteste Partei sogar etwas nach oben.

Nun steht der SPD-Bundesparteitag an und die Union hat immer noch nicht gemerkt, dass Negativkampagnen nicht nur in erster Linie verpuffen, sondern vor allem verdammt peinlich sind. Man möchte der SPD diesmal den Status als linke Volkspartei absprechen. Das ist in erster Linie ziemlich dämlich: Denn die SPD hat in erster Linie dort Stimmen verloren, die ihr zu viel Mittelastigkeit vorgeworfen haben. Der SPD mehr linke Eigenschaften zuzuschreiben ist zur Zeit also kein großes Problem für die Partei.

Bitter ist dabei für die CDU zudem, dass sie ihre Profillosigkeit durch das kleine Plakat darstellt. Denn während selbst die CDU schnell einige Punkte der SPD auflisten kann, weiß man über die Absichten der CDU eigentlich gar nichts. Plan für Europa? Scheinbar nicht vorhanden. Plan für den Schuldenabbau? Man macht lieber mehr Schulden und senkt gleichzeitig die Steuern. Plan für die Familienpolitik? Man setzt nicht nur auf das völlig idiotische Konzept des Betreuungsgeldes, sondern verwässert es auch noch permanent. Nein, man sollte nicht auf das vermeintlich schlechte Programm anderer hinweisen, wenn man selbst nichts zu bieten hat.

Glücklicherweise verfangen Negativkampagnen immer weniger bei den Deutschen. Während die früheren „Roten Socken“-Kampagnen durchaus erfolgreich waren, sind sie wie gesagt in letzter Zeit weniger erfolgreich. Und auch die große Negativkampagne der SPD zur Europawahl 2009 brachte nichts. In beiden Fällen ist die Ursache, dass die eigene Grundlage fehlt. Die SPD hatte 2009 kein überzeugendes Krisenkonzept zu bieten. Die Union hat derzeit kein überzeugendes Politikkonzept zu bieten. Steuersenkungen und Haushaltskonslidierung sind auch für treue Unionswähler schwer zu vermitteln. Es braucht lediglich einen Blick auf Angela Merkels Zusammenfassung des Koalitionvertrages, der sogar noch die Verlängerung der AKW-Laufzeiten verspricht, werfen, um festzustellen: Wer im Glashaus sitzt, sollte keine schlechten Plakate kreieren.

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