Bayerische Pädagogik

Bayern ist bekannt für sein exellentes Schulsystem, das viele intelligente Kinder hervorbringt und in jeglichen Bildungstests überdurchschnittlich abschneidet. Putzig ist dabei, dass die pädagogische Seite des Systems etwas merkwürdig anmutet. Der Freistaat lässt nicht die Eltern entscheiden, auf welche Schule ihr Kind gehen darf. Stattdessen entscheiden allein die Grundschulnoten, welche weiterführende Schule besucht werden darf. Das sorgt regelmäßig für überforderte Kinder und Eltern. Die Performance in der vierten Klasse bestimmt meist über die weitere schulische Karriere. Auch ist es für die Schulbehörde ein Problem, wenn der Schnitt einer Klasse zu gut ist. Aus solchen Gründen werden durchaus mal Lehrkräfte versetzt.

Gestern wurde auf Spiegel Online ein weiterer pädagogischer Kracher veröffentlicht. Eine Schulleiterin hat entschieden, eine Schülerzeitung pro Schule sei genug, alles andere müsse verboten werden. Ein zwölfjähriger zog vor Gericht und bekam erst dort die Erlaubnis, eine zweite Schülerzeitung zu veröffentlichen. Der Artikel vermittelt den Eindruck, dass die bayrischen Behörden jedoch die Ansichten der Schulleiterin teilen. In ihren Augen sei eine Beschränkung auf eine einzige Schülerzeitung tatsächlich pädagogisch sinnvoll. Dass ein Abbild von Meinungsvielfalt im Mediensystem erst mit zwei Schülerzeitungen (was es leider an viel zu wenigen Schulen gibt) beginnt, ist in Bayern wohl noch niemandem aufgefallen. Ebenfalls bemerkenswert ist, dass erst seit beinahe vier Jahren Schülerzeitungen im Freistaat nicht mehr durch den oder die Schulleiter/in genehmigt werden müssen. Bis dahin stand es jedem Schulfürsten frei, unliebsame Kommentare zu unterdrücken. Kein Wunder, dass sich so die CSU jahrzehntelang in dem Land halten kann.

 

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