Das vorwärts Liederbuch

Die Sozialdemokratie hat eine lange Lied- und Gesangstradition, die weitaus mehr umfasst als „Wann wir schreiten Seit‘ an Seit’“. Die Gesangskultur auf den meisten Ebenen ist jedoch verkümmert, gesungen wird höchstens noch sporadisch. Ein Grund dafür könnte sein, dass man an die Lieder nur schwer herankommt. Sicherlich ist es ein leichtes, MP3-Dateien zu bekommen. Und auch die Texte und Noten kann man sich auf mehr oder weniger legalem Weg aus dem Internet besorgen. Es fehlte aber bisher eine gedruckte, noch erhältliche Sammlung der wichtigsten und bekannten Lieder. Ein Herausgeberkreis um den Kieler Bundestagsabgeordneten Hans-Peter Bartels änderte das bereits 2009. Damals kam die erste Auflage des „vorwärts Liederbuch“ heraus. Die Auflage war nach kurzer Zeit ausverkauft und nun, zwei Jahre später, liegt die zweite Auflage vor.

An der Neuauflage lässt sich nur eine ärgerliche Sache finden: Der Preis wurde von 10 € auf 12,50 € erhöht. Bereits bei dem ursprünglichen Preis konnte man nicht von jedem erwarten, dass sich jeder mögliche Mitsänger das Buch kauft. Auch wenn die Preiserhöhung gerade einmal 2,50 € beträgt, ist sie doch  ärgerlich. Allerdings erhält man für den Preis eine umfangreiche, stabile und gut gestaltete Liedersammlung.

Das Buch ist zum Benutzen gedacht, schreiben die Herausgeber im Vorwort. Ihr oberstes Ziel ist es, ein praktisches Buch zu präsentieren, das beweisen kann, dass die Arbeiterliederkultur noch immer lebendig ist. Das merkt man auch. Wie schon die erste Auflage kommt das Büchlein mit einem flexiblen Plastikumschlag daher. Der ist abwischbar und vor allem deutlich stabiler, als ein Pappumschlag.

Die Lieder sind in sieben Abschnitte geteilt. Den Anfang macht der Abschnitt „Freiheitslieder“ mit Liedern wie „Die Gedanken sind frei“. Der anschließende Hauptteil „Arbeiterlieder“ deckt von der „Internationalen“ über „Auf, auf zum Kampf“ bis hin zum „Sozialistenmarsch“ eine große Bandbreite von Liedern ab. Es folgen Widerstandslieder wie „Die Moorsoldaten“ und „Das Thälmann-Batallion“ und Friedenslieder wie Brechts geniale „Kinderhymne“ oder Bob Dylans „Blowing in the Wind“. Nach den Friedensliedern findet man „allerlei politische Lieder“. Auch dieser Teil deckt von „Was wollen wir trinken“ bis „Unter dem Pflaster“ ein großes Spektrum von Liedern ab. Den Abschluss machen die Kapitel „Fahrten- und Lagerfeuerlieder“ sowie „Abend- und Abschiedslieder“ die den Vorsatz der Autoren, auch gesellige Lieder zu berücksichtigen, umsetzen.

Jedes Lied ist mit einem kleinen Text über den Autor und die Entstehungsgeschichte des Liedes versehen. Die kurzen Abschnitte informieren dabei ausreichend, um das Lied im Ansatz verstehen zu können, machen aber häufig auch neugierig auf die weitere Geschichte der Lieder. Insofern ist ein Blättern in dem Buch oft erst der Beginn einer Recherche im Internet. Zwischendurch sind Abbildungen von Gemälden, Plakaten und Liederbüchern der Arbeiterbewegung abgedruckt. Insgesamt macht die Gestaltung der Lieder einen sehr liebevollen Eindruck.

Das „vorwärts Liederbuch“ bietet eine große Liedervielfalt, in gelungener Aufmachung und eignet sich tatsächlich gut für den praktischen Gebrauch.

Die Rezension ist ursprünglich für die Novemberausgabe des Bremer Juso-Verbandsmagazin MorgenRot geschrieben worden.

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