A Clash Of Kings (von George R.R. Martin)

Nach „A Game Of Thrones“ sind die sieben Königreiche von einem Staat wieder in viele einzelne zerfallen. Auf dem Königstrohn sitzt Joeffrey, der Erbe des vorherigen Königs Robert. Doch Joeffrey ist gar nicht dessen Sohn, sondern der seines Schwagers. Dieser Inzestfall motiviert die beiden Brüder Roberts, Renly und Stannis, gegen den König vorzugehen. Doch da sich die beiden Brüder selbst nicht einig sind, gehen sie erst einmal aufeinander los. Das passt Joeffrey und seinem Haus Lannister sehr gut. Denn die ehemalige erste Hand des Königs, Eddard Stark, wurde zusammen mit dem König von den Lannisters aus dem Verkehr gezogen. Stark war jedoch der Herr des Nordens. Sein Sohn rief sich bereits im letzten Roman als König des Nordens aus und zog gen Westen. Nun sind die Fronten verhärtet, doch die Zahl der Lannister übersteigt die der Stark um ein weites. Zusätzlich gibt es noch den König der Inseln, der seine eigenen Pläne verfolgt und die Tochter des Vorgängers von Robert. Denn schon Robert hat seinen Thron nur durch Krieg erobern können. Dessen Tochter lebt nun weit ab des Königreiches und bereitet ihre Rache vor.

Diese Einleitung zu der Handlung zeigt bereits, was für einen umfangreichen Hintergrund Martin in dem ersten Teil aufgebaut hat, der nun im zweiten Band ausgebaut werden kann. Denn all die erwähnten Personen sind nicht nur Namen. Martin hat ihnen in dem Vorgänger einen Hintergrund und gewisse Motivationen angeschrieben. Die Fülle der Akteure macht die Handlung komplex, ist jedoch auch eine Schwäche.

Der Roman umfasst etwas über 1 000 Seiten. Jedes Kapitel schildert die Ereignisse aus der Sicht einer Person. Das war im ersten Teil oft noch angenehm, da sich mehrere Personen an einem Ort aufhielten. Mittlerweile sind die Protagonisten jedoch einzelnd über das ganze Königreich verteilt. Das führt dazu, dass hier eine Fülle von Handlungssträngen erzählt werden und man desöfteren 100 bis 200 Seiten warten muss, bis einer wieder aufgegriffen wird. Gerade zu Beginn des Romans ist das anstrengend.

Denn natürlich ist „A Clash Of Kings“ nicht von Anfang an übermäßig spannend. Stattdessen legt Martin wieder viele Grundlagen für das Finale des Romans. Wenn man aber immer 200 Seiten lesen muss, um zu erfahren, wie es an einem Ort weitergeht, dann demotiviert das etwas. Die vielen Charaktere an vielen Orten machen die Handlung zwar komplexer und anspruchsvoller, Martin hat es mit ihnen jedoch ein wenig übertrieben.

Außerdem hat man durch Martins Erzählweise Einblicke in beinahe alle Akteure. Lediglich Robb Stark, der König des Norden, wird in diesem Roman merkwürdigerweise ignoriert. Von allen anderen Charakteren, Freund und Feind, weiß man eigentlich was sie planen. Das ist in einem Punkt ein gelungener Schachzug. Denn die Grenzen zwischen Freund und Feind verschwimmen. Zum Schluss versteht man den Standpunkt eines jeden einzelnen Akteurs. Man findet selbstverständlich nicht jeden Standpunkt richtig. Aber man merkt auch, dass die „Guten“ sich ebenfalls nicht immer „gut“ verhalten. Insofern sorgt die breite Erzählweise für mehr Schattierungen, was dem Roman sehr gut tut.

Doch man ist dadurch auch nicht mehr überrascht. Der König der Inseln plant eine Invasion des Nordens, um Robb Stark in den Rücken zu fallen. Dadurch, dass man einige Kapitel aus der Sicht des Sohnes dieses Königs geschildert bekommt, weiß der Leser bereits was passiert. Nur wie es passiert, bleibt natürlich unklar. Dadurch sinkt aber auch die Motivation weiter zu lesen. Denn wirklich überraschend sind immer nur die Ausführungen, wirklich überraschende Wendungen kann man in dem Roman an der Hand abzählen.

Die Fantasy-Elemente werden auch in diesem Roman wieder abseits der Haupthandlung bedient. Im Norden ist der Bastard der Starks, Jon, dabei eine Invasion von Nordmännern zu entdecken. Die Tochter des vorletzten Königs hingegen hat drei Dracheneier ausgebrütet. Sowohl die Gefahren im Norden als auch die Drachen sind mit unseren Vorstellungen nur schwer erklärbar und deuten darauf hin, dass es in der Welt, die Martin erschaffen hat, doch Fantasy-Elemente gibt. Von den Königen verwendet lediglich Stannis übernatürliche Phänomene. Er paktiert mit einer Sektenführerin, die eine monotheistische Religion durchsetzen möchte. Dank ihrer Hilfe vollführt er erstaunliche Ansätze.

Ab der zweiten Hälfte nimmt die Geschichte richtig Fahrt auf. Die Könige „clashen“ wirklich aneinander, der Ausgang der Zusammenstöße wird tatsächlich etwas unvorhersehbar. Damit steigt dann auch die Erzählgeschwindigkeit, die Kapitel werden etwas kürzer und man erfährt somit schneller, wie es an den verschiedenen Orten weitergeht.

Trotz der Schwächen hinsichtlich der Erzählstruktur muss man Martin nämlich Respekt für die Handlung zollen. Zig Namen müssen hier bedient werden und mittlerweile ist man auf der Insel der sieben Königreiche immer vertrauter. Und auch das bereits erwähnte Verständnis für jeden beschriebenen Charakter ist eine eindrucksvolle Leistung.

„A Clash Of Kings“ ist daher ein umfangreicher Roman, der äußerst realisitsch wirkt und dennoch an einigen Stellen mit überraschend glaubwürdigen Fantasy-Elementen durchsetzt ist. Durch die komplexe Handlung und die vielen Charaktere braucht der Roman extrem lange, um in Fahrt zu kommen. Hat man die erste Hälfte jedoch hinter sich, wird man mit einer spannenden und gelungenen Geschichte belohnt.

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