Uralt (Apocalypsis Episode II)

Am 24. Oktober ist die zweite Episode des ersten „Webnovel“ Apocalypsis erschienen. Während die Handlung durchaus vorangebracht wurde, sind die Begleitumstände etwas anstrengend.

I. Die Handlung

Die Episode beginnt damit, dass der durchaus gelungene Cliffhangar aus der vorherigen Ausgabe aufgelöst wird. Das geschieht jedoch nicht auf kreative Weise. Stattdessen wird eine rettende Nonne vorbeigeschickt, weil ein Pater eine dunkle Vorahnung hat. Zufall pur.

Die folgenden 40 Seiten sind jedoch durchaus spannend. Der gerade gerettete Hauptcharakter Peter Adams bricht mit der Nonne in die Wohnung des zurückgetretenden Papstes ein. Dort suchen sie einen Hinweis darauf, warum der Papst zurückgetreten und verschwunden ist und ob das etwas mit Peters Vision des Untergang des Vatikans zu tun hat. Der Einbruch ist durchaus spannend und beim Lesen hat man durchaus das Gefühl, dass die Handlung weitergebracht wird.

In dieser Episode wird auch deutlich, dass ein Hauptproblem der zukünftigen Handlung sein wird, dass die verschiedenen Akteure nicht zusammenarbeiten. So weiß der Polizeichef des Vatikans nicht, gegen wen er vorgehen soll. Eine mit Peter Adams befreundete Journalistin misstraut diesem und geht auf eigene Faust vor – mit fatalen Auswirkungen. Die fehlende Kommunikation kann jedoch in den folgenden Episoden für Spannung sorgen. Hier stört es eher, dass jeder alles für sich behält.

Letztendlich täuschen die Ereignisse in der Episode auch darüber hinweg, dass man über die Hintergründe nichts erfährt. Keine einzige enthüllte Tatsache wird wohl eine langfristige Bedeutung haben. Lediglich die gefundenen Artifakte haben eine Bedeutung, deren Verbleib im Cliffhangar ist jedoch unklar.

Und das ist dann auch das gelungenste an der Episode. Auf 40-Seiten wird eine dichte Geschichte mit hohem Tempo erzählt, die in einem gelungenen und durchaus spannenden Cliffhangar überführt wird. Dass täuscht über die schwache Auflösung des Cliffhangars aus der ersten Episode hinweg und darüber, dass die Charaktere noch immer relativ blass sind.

II. Umfang und Dateiformat

Der Verlag gibt auf verschiedenen Seiten an, dass jede Episode 80-Seiten umfasst. Das wirkt wie blanker Hohn. Denn 80-Seiten wären 1,49€ tatsächlich wert. Denn jede Episode umfasst 42 E-Pub-Seiten, die zumindest in der Adobe-Darstellung sehr schmal sind. Hinzu kommt noch, dass die ersten vier Seiten aus Titelbilder bestehen. Letztendlich kommt man so gerade einmal auf 38 Seiten. Das liest man in wenigen Minuten durch – was meinetwegen auch der Sinn eines Webnovels ist – aber 1,49€ sind dafür ein extrem hoher Preis, der auch dadurch nicht besser wird, dass einem 80 Seiten versprochen werden.

Bisher habe ich lediglich libri.de als Anbieter gefunden, der „Apocalypsis“ im epub-Format anbietet, das nicht an einen bestimmten Reader gebunden ist. Gleichzeitig ist dieses Format mit einem umständlichen DRM-Schutz belegt. Bis man das auf meinem Reader (Sony) freigeschaltet hat, ist beinahe die Hälfte der Zeit vergangen, die man benötigt, um die Episode zu lesen. Das nervt.

III. Fazit

Die Idee, einen Webnovel zu machen, ist immer noch gut. Preis und Umfang sind jedoch äußerst unbefriedigend. Immerhin wird einem aber eine unterhaltsame und spannende Geschichte präsentiert, die noch das Potential besitzt, wirklich gut zu werden. Der Webnovel muss dafür aber einen typischen Serien-Fehler vermeiden. Denn häufig wird die Handlung nach einem ereignisreichen Start rasch nur noch bis zum Finale gestreckt. Das würde bedeuten, dass von nun an bis zum Finale nur noch wenig geschieht. Sollten in den nächsten Folgen aber bereits die ersten Zusammenhänge aufgeklärt werden und dabei spannende Geschichten erzählt werden, kann der Webnovel richtig gut werden.

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