Les Raisins de la galère (von Tahar Ben Jelloun)

„Les Raisins de la galère“ ist ein französischer Roman, der etwas schwieriger zu lesen ist, als die bisherigen französischen Bücher, die auf dieser Seite vorgestellt wurden. Das liegt vor allem an den vielen umgangssprachlichen Begriffen sowie der Vokabelvielfalt, die in dem Roman verwendet werden.

In dem Roman schildert Nadia, die Tochter eines algerischen Einwanderers, ihr bisheriges Leben in einer Pariser Vorstadt. Sie muss schon früh erfahren, dass sie in der französischen Mehrheitsgesellschaft als Algerierin einen schweren Stand hat und dass sie als Frau in der eigenen Familie beziehungsweise unter anderen Muslimen einen schweren Stand hat. Ersteres erfährt sie als der kommunistische Bürgermeister die Familie enteignet, um Platz für einen Supermarkt zu schaffen. Die Entschädigung ist lächerlich gering, sodass das mühevoll aufgebaute Haus des Vaters durch eine simple Mietwohnung ausgetauscht werden muss. Nadias Vater  verliert dadurch einen Großteil seines Lebensmut. Zweites stellt sie zum ersten Mal fest, als die Mutter sich entschieden dagegen wehrt, dass ihre Tochter Mechanikerin werden möchte.

Nadia schildert zunächst anekdotenhaft Situationen, die einem die Zustände in dem Viertel verdeutlichen. Sie ist umgeben von Rassismus, Kriminalität und Drogen. Daher muss sie miterleben, wie viele ihrer Freunde sozial immer weiter absteigen und gleichzeitig auch noch ausgegrenzt werden. Schon früh stört sie sich daran, was sie von anderen Menschen im Viertel unterscheidet. Sie geht gegen Missstände vor. Bald ist sie daher in vielfacher Sicht isoliert. Muslimische Männer fürchten sich geradezu vor ihr, während sie bei Franzosen eher als nervig wirkt.

Halt gibt ihr zunächst der Vater, später ihr Freund. Durch mehrere Studiengänge eignet sie sich immer mehr Wissen an, um gegen Missstände vorzugehen und kandidiert zuletzt für die Grünen unter Tolerierung durch die Kommunisten für das Parlament. Im Wahlkampf muss sie sich noch einmal mit den beiden oben angerissenen Problemen auseinandersetzen und versucht gleichzeitig, möglichst vielen „Einwanderkindern“ zu helfen. Dabei gelingen ihr ein paar Sachen, dass meiste scheitert jedoch an den Verhältnissen.

Gerade der Schluss des Romans, in dem laut Kommentar „großartige Bilder“ vorkommen, ist sprachlich schwieriger als der Anfang. Nadia erreicht einen relativ abgeklärten Zustand, in dem es ihr kaum noch etwas ausmacht, dass sie von den Grünen nur als Scheinkandidatin missbraucht wurde. Für sie ist einfach wichtig, auf Probleme aufmerksam zu machen. Ihre eigene Position ist ihr dabei egal. Trotzdem ist der Anfang beeindruckender, vermittelt er doch, ein realistisches Bild von den Zuständen in einem Pariser Vorort der 80er und 90er Jahre zu zeichnen. Die Schilderung macht deutlich, wie wenig man sich auch in Frankreich darum gekümmert hat, Einwanderern das Gefühl zu geben, willkommen zu sein.

„Les Raisins de la galère“ ist teilweise sprachlich anstrengend. Dafür ist jedoch gerade die erste Hälfte des Romans recht beeindruckend.

 

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