Juso-Linke (von Sascha Vogt (Hg.))

Das Buch „Juso Linke“ will zur Feier des vierzigjährigen Bestehens den Weg der linken Juso-Strömung nachzeichnen und dabei gleichzeitig auch aktuellen Analysen aus der heutigen Form der Strömung, dem „Netzwerk linkes Zentrum“ Raum bieten. Das Buch ist in drei Teile geteilt. Im ersten Abschnitt wird – bewusst subjektiv – über die Geschichte der Strömung berichtet und einige Ehemalige erinnern sich an ihre Zeit in der Strömung. Der zweite Teil versammelt dann Beiträge zur aktuellen Analyse und Strategie bei dem unter anderem der aktuelle wie auch zwei ehemalige Bundesvorsitzende der Jusos zu Wort kommen. Im letzten Abschnitt finden sich dann drei aktuelle Strategiepapiere aus dem NWLZ.

Wer sich mit der Strömungsgeschichte nicht besonders gut auskennt, für den ist eigentlich der erste Teil des Buches interessant. Denn er ist der einzige, der in etwa hält was der Titel verspricht. Die folgenden Beiträge des Buches befassen sich nämlich nur noch in Nebensätzen mit den vorherigen 40 Jahren der Strömung und konzentrieren sich eher auf die Gegenwart.

Doch auch im ersten Teil des Buches ist wenig Platz für die Strömungsgeschichte. Zwei Beiträge behandeln die Zeit bis 89 und die Zeit von 89 bis heute. Das ist wenig Platz für 40 Jahre und so hat man nach der Lektüre zwar einen groben Überblick, wünscht sich aber eigentlich mehr. Dem schließen sich dann fünf zugegeben persönliche aber auch etwas nostalgisch wirkende Rückblicke auf die Strömung an. Die bringen einem, wenn man nicht gerade in der Strömung aktiv war oder ist, herzlich wenig.

Der zweite Abschnitt ist der beste des Buches. Er enthält unter anderem zwei Analysen zur Lage der SPD, der Wirtschaft, des Internationalismus und der Arbeitsmarktpoliti. Dabei werden eine Reihe interessanter Thesen aufgestellt und genau so viele richtige Ziele benannt. Allerdings bleiben die Konzepte alle normativ. Dafür dass im ersten Teil die Strömung für ihren Fokus auf die Umsetzung von Projekten gelobt wurde, fehlen hier zu viele praktische Ansätze.

Vielleicht sind gerade deswegen die beiden Beiträge über die Lage und das Reformpotential der SPD am Interessantesten. Hier kann man sich vorstellen, wie die Veränderungen umzusetzen sind. Die anderen Beiträge drücken eher das Selbstverständnis der Akteure aus beziehungsweise die wie bereits erwähnt idealen Ziele.

Im letzten Abschnitt finden sich dann Dokumente, in denen NWLZ-Mitglieder die wirtschaftspolitische Grundlagen aufstellen, drei internationale Probleme benennen und Lösungsvorschläge geben und zuletzt auf das Verhältnis von Individualisierung und Solidarität eingehen. Diese Teile wirken noch idealtypischer als die Beiträge aus dem vorherigen Abschnitt. Hier fehlen praktische Ansätze eigentlich komplett.

Allerdings erfüllt das Buch somit in gewisser Weise sein Ziel. Denn das Selbstverständnis der sich in 40 Jahren wandelnden Strömung wird gut skizziert. Anhand der Analysen kann man sich vorstellen, wie die Akteure denken. Man denkt über einige Dinge nach und die Umsetzung in praktische Politik muss dann von den politisch Verantwortlichen erfolgen. Dem Netzwerk scheint es eher darum zu gehen, grundsätzliche Ideen und Werte zu verbreiten und dafür Bündnispartner und gesellschaftliche Mehrheiten zu organisieren. Denn nur dann, so der Ansatz, ist die Politik auch einfach umzusetzen.

Ob sich Bündnispartner und gesellschaftliche Mehrheiten aber für sozialistische Konzepte, bei denen noch einiges im vagen ist, begeistern lassen, ist wohl fraglich. Für eine Grundsatzvorstellung ist „Juso Linke“ ein ordentliches Buch. Für die Vorstellung der Geschichte der Strömung und den konkreten Vorhaben bleibt es hinter den Erwartungen zurück.

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