Germinal (von Emile Zola)

Der Maschinist Etienne ist während einer Wirtschaftskrise in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Frankreich auf Arbeitssuche. Nach mehreren Tagen ohne Arbeit erhält er durch Zufall eine Stelle in dem Bergarbeiterschacht von Montsou. Schnell bemerkt er, wie schlecht es den Arbeitern geht. Sie arbeiten viel, riskieren Gesundheit und Leben und verdienen dennoch nicht genug zum Leben. Etienne versucht möglicht viele Kumpel zu überreden, der Internationalen beizutreten. Doch kaum jemand will auf ihn hören. Lediglich die Einrichtung einer Streikkasse überzeugt die Bergarbeiter. Kurz nach deren Einrichtung senkt die Gesellschaft indirekt den Lohn. Daraufhin ruft Etienne die Bergarbeiter zum Streik auf. Sie folgen ihm, doch seine Methoden und auch die Verhältnisse machen es nicht möglich, dass der Streik für die Arbeiter zu gewinnen ist.

Germinal beginnt langsam. Detailreich beschreibt Zola die Arbeiter der Dörfer. Zwischendurch wendet er sich immer auch mal ihren Chefs zu. Zum Beispiel lebt nur etwas entfernt von den ärmlichen Arbeiterdörfern eine Familie, die einzig und allein davon lebt, dass ein Vorfahre in die anliegende Miene investiert hat. Von der Rente, die die Aktien abwerten, kann die Familie bestens leben. Diese Gegenüberstellung von Arbeitern und Kapitalisten ist sehr gelungen. Denn aus Zolas Perspektive ist relativ klar, dass die Arbeiter in ihren Wünschen Recht haben. Er macht aber auch deutlich, dass beide Seiten innerhalb ihrer Vorstellungskraft und Wahrnehmung logisch handeln und eigentlich nicht anders handeln können.

Dennoch kritisiert er die kapitalistische Seite in dem Text deutlich. Vor allem der Verwalter der Mienen wird von Zola gerade dadurch, dass er ihn als logisch denkenden Menschen schildert, stark kritisiert. Denn während auf Arbeiter geschossen wird, beneidet er sie, dass ihr Leben doch so einfach ist.

 Beachtlich ist aber auch, wie lebendig das Arbeiterdorf in Zolas Schilderung wirkt. Auch heute noch kann man sich durch seine Beschreibungen gut vorstellen, wie es in dem Dorf aussieht. Man merkt, dass Zola über einen längeren Zeitraum selbst unter Bergarbeitern gelebt hat. Die Charaktere im Dorf sind zwar schlicht, aber es gelingt Zola dennoch fast komplizierte Beziehungen zwischen ihnen entstehen zu lassen.

 Interessant ist aber auch der Verlauf des Streikes. Er trifft die Gesellschaft hart, die Streikenden aber noch härter. Dennoch ist schnell absehbar, dass es von seiten der Minengesellschaft keine Einlenkung geben wird. Die vorherrschende Wirtschaftskrise wird durch den Streik noch verstärkt, im Umland gehen immer mehr Firmen pleite. Die Not der Arbeiter wird immer größer und daher muss es zwangsläufig zu einer Eskalation des Streikes kommen. Die Rhetorik wird immer aggressiver, Etienne immer radikaler und so kommt es automatisch zu gewalttätigen Ausschreitungen, obwohl der Streik mit heren Zielen begann.

 Trotz der großen, politischen Ereignisse schildert der Roman dennoch private Dramen. So verliebt sich Etienne in Catherine, die jedoch aufgrund der Verhältnisse mit einem anderen Mann, den sie nicht liebt, zusammen ist. Anhand der Schilderung der beiden Charaktere zeigt Zola wie Beziehungen in entmenschlichten, durch Not geprägten Gemeinschaft der Bergleute entstehen.

„Germinal“ ist ein sehr realistisch wirkender Roman, der den großen politischen Konflikt seiner Zeit nachzeichnet und dabei trotzdem privat und bewegend bleibt. Insgesamt ist der Roman eine aufwühlende und ungemein spannende Lektüre.

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