Fiktion und Wirklichkeit

Romane können sehr fantastische sein oder realistisch. Beides erfordert ein großes Maß an Kreativität. Gerade die zweite Variante erfordert große Anstrengungen, scheinbar normales abzubilden und in einen spannenden Roman zu gießen, der dennoch bewegt. Jonathan Franzen gelingt das regelmäßig, unter anderem in seinems ehr gelungenen Roman „Freiheit„. Darin wird nicht nur ein dramatisches Bild einer liberalen, amerikanischen Familie gezeigt, sondern auch anhand einige Konflikte die Schattenseite der gesellschaftlichen Freiheit verdeutlicht.

Der Roman beschreibt zwar dramatische Situationen, wirkt aber zu keinem Zeitpunkt unmöglich. Das merkt man immer dann, wenn Situationen aus dem Buch auch in der Wirklichkeit auftauchen.

Die weibliche Hauptperson des Buches wird zu Beginn ihrer Teenagerzeit von einem Jungen vergewaltigt. Sie möchte ihn anklagen, doch ihre Eltern hindern sie daran. Der Grund ist simpel, sowohl ihre als auch die Eltern des Jungen sind in der demokratischen Partei. Jedoch sind die Eltern des Jungen wichtiger, durch eine Anklage würden die Karrieren beider Elternpaare großen Schaden nehmen. Kein Wunder, dass die Hauptperson danach nie wieder eine vernünftige Beziehung zu ihren formal extrem linksliberalen Eltern aufbauen konnte.

Wenn man sich jetzt Artikel über die neuen Vergewaltigungsvorwürfe gegenüber Strauss-Kahn durchliest, wird man sehr an die Geschichte erinnert. Sollten die Vorwürfe ausgedacht sein, wäre ein möglicher Ideengeber ausgemacht. Wahrscheinlicher ist aber, dass das Leben offenbar tatsächlich Geschichten schreibt, die an Dramatik denen ausgedachten in nichts nachsstehen.

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