Projekt: Ende (von Philip K. Dick)

In einer Mietswohnung beobachtet eine Gruppe von Kindern Edward Billings durch Schlüsselloch. Der alte Mann arbeitet permanent an einer Art Bericht. Die Kinder fürchten zunächst, dass er ein kommunistischer Spion ist, sind dann jedoch der Ansicht, dass ihm dazu einfach der Bart fehle. Tommy ist ganz besonders mutig, er kehrt später zurück, um bei Billings einzubrechen. Der Bericht ist eine detaillierte Übersicht aller menschlicher Aktivitäten auf der Erde. Auf Billings Terasse findet Tommy dann jedoch eine Sensation: Billings hat dort kleine, menschenähnliche Lebewesen. Als Tommy sie sich genauer betrachtet, tritt Billings dazu. Er eröffnet Tommy, dass es sich bei den kleinen Lebewesen um Projekt C handelt. Nachdem Projekt A (Flugkreaturen) und Projekt B (die Menschen) gescheitert sind, musste ein neues Projekt her. Wichtig ist dabei nur, dass das dritte Projekt nicht wie das zweite von dem vorherigen Projekt korrumpiert wird. Das interessiert Tommy aber herzlich wenig, er sieht in den kleinen Männchen Spielfiguren, die er haben muss. Daher stiehlt er den Kasten kurzerhand…
Die Menschheit als Projekt von Außerirdischen, das außer Kontrolle geraten ist.Dicks Fantasie rüttelt auf wenigen Seiten an manchem Weltbild. Es ist zwar unvorstellbar, dass es vor den Menschen eine fliegende Spezie auf der Erde gab, doch die Außerirdischen hätten ja leicht alle Spuren beseitigen können. Interessant ist hierbei vor allem das Verhalten von Tommy. Billings eröffnet ihm recht direkt, dass die Zeit der Menschheit abgelaufen ist. Das Projekt B ist gescheitert, die Menschen bekriegen sich zu sehr. Das ist Tommy aber völlig egal, ihm geht es nur um den Besitz der kleinen Lebewesen.
Er rettet die Menschheit also damit, dass er aus reiner Gier handelt. Denn sein „Spiel“ mit dem Projekt C korrumpiert dieses natürlich. Tommy beginnt, den kleinen Lebewesen Kleidung zu basteln. Außerdem zeigt er ihnen gewisse soziale Konventionen, die eigentlich menschlich sind.
Es wird in der Geschichte nicht angesprochen, wie die Aktionen auf die Lebewesen wirken. Aber man kann sich gut vorstellen, dass Tommies Verhalten gottähnliche Eindrücke erschaft. Schließlich „gibt“ er ihnen die Kleidung und andere Gegenstände. Wenn die Menschheit auf ähnlich Weise „korrumpiert“ wurde, ist es das auch eine Erkärung, wie sich religiöse Mythen bilden konnten.
Der Film „Matrix“ begeisterte 1999 viele mit der Idee, dass die Welt, in der wir Leben nicht die ist, die sie scheint. Zwar lebt die Menschheit in „Projekt: Ende“ auf einem realen Planeten und nicht in einer Art Cyber-Space, dennoch gibt es gewisse Paralllelen. Denn das Schicksal der Menschheit ist relativ verplant. Eigentlich war das Projekt gesteuert geplant. Die Menschheit konnte sich zwar der fremden Kontrolle entziehen und autonom werden, zieht dabei aber die Zerstörung auf sich. Letztendlich ist die Menschheit also doch nicht unabängig, sondern gelenkt. Dieser auch nach beinahe 60 Jahren noch immer moderne Gedanke, macht die Kurzgeschichte zu einer vergnüglichen und dennoch etwas nachdenklichen Lektüre.
Etwas ärgerlich ist die Übersetzung des Titels. Wie man von „Project: Earth“ auf „Projekt: Ende“ kommt, ist für mich relativ unverständlich.
“Projekt: Ende”,30 Seiten, 1953, von Philip K. Dick, aus der Anthologie “Variante zwei”.

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