Neufahrergängelung

Autofahren wird von einigen Parteien als sehr gestrig angesehen. Und auch ich fahre nur sehr selten mit dem Auto. Dennoch gibt es Menschen, die dringend darauf angewiesen sind, mit dem Auto mobil zu sein. Doch bei der Erreichung der Erlaubnis zum Autofahren zu erlangen, werden Jugendliche von der Regierung immer mehr gegängelt. Dabei zeigt sich auch, dass der ADAC nicht unbedingt Vorreiter in der Verteidigung von Autofahrerrechte ist.

Maßnahmen, Jugendliche zu kontrollieren gibt es zur Genüge. Nach einem in der Regel mehr als 1000 Euro teuren Erwerb des Führerscheins warten noch einige Risiken. Ein einziger Punkt in Flensburg reicht aus, um in der zweijährigen Probezeit den Führerschein wieder zu verlieren. Danach muss man zu Aufbauseminaren, mit Pech gar zu psychologischen Kontrollen. Bis zum 21. Lebensjahr und natürlich innerhalb der Probezeit darf man gar keinen Alkohol trinken, während man am Steuer sitzt.

Das sind nur zwei Maßnahmen, durch die laut der Welt seit dem Jahr 2000 die Anzahl der Unfälle durch Jungfahrer halbiert wurde. Immer wieder wird diskutiert, die bereits vorhandenen Maßnahmen zu verschärfen. Dabei ist es eigentlich unverständlich, warum gerade unter 21-jährige komplett nüchtern sein müssen. Sinnig wäre es, man würde dieses Gebot auf die gesamte Autofahrerschaft ausweiten. Doch dann würde man sich den Unmut des Großteils der Bürger auf sich ziehen. Auch die Verlängerung der Probezeit wird immer wieder diskutiert. In ihr werden alle möglichen Verkehrsverstöße in Kategorien einsortiert. Eine bestimmte Anzahl von Verstoßen in einer Kategorie führen zum Entziehen des Führerscheins, auch ohne Punkte. Auch hier stellt sich die Frage, warum diese Maßnahme unbedingt länger als zwei Jahre laufen muss.

Jetzt hat die Koalition laut Saarbrücker Zeitung neue Pläne. Jugendliche sollen jetzt drei Monate nach ihrer Führerscheinprüfung noch einmal eine Prüfung ablegen. Laut dem Artikel der Lokalzeitung jubelt der ADAC. Hier läuft gleich an mehreren Stellen einiges schief.

Zunächst sollte man sich angucken, warum man sich immer wieder auf die Fahranfänger konzentriert. Die Unfälle wurden in diesem Bereich – wie bereits erwähnt – seit 2000 halbiert. Dennoch ist die Unfallzahl, im Vergleich zu anderen Kategorien, immer noch sehr hoch. Es ist fast schon witzig, dass das die Politiker wirklich verwundert. Denn wer gerade erst anfängt zu fahren, ist noch nicht so sicher und muss erst noch Erfahrung sammeln. Dabei hilft vielleicht ein Alkoholverbot (wie aber bei allen anderen Autofahrern auch!), aber eine Probezeit oder gar eine zweite, vermutlich ebenfalls gerade einmal 45 Minuten lange Prüfung helfen da keineswegs.

Es stellt sich daher auch die Frage, warum die Regierung das eigentlich anstößt. Mit dem begleiteten Fahren ab 17 nutzen schon jetzt viele Jugendliche die Chance zusammen mit ihren Eltern die ersten Erfahrungen unter Aufsicht zu machen. Die Unfallzahlen haben sich dabei wohl noch einmal verringert. Der Anstoß dürfte daher eher sein, dass jemand von der Maßnahme profitiert. Und wer, wenn nicht die zumeist selbstständigen, FDP-wählenden Fahrlehrer sollte das wohl sein? Denn mit einer zusätzlichen Prüfung fallen nicht nur mehr Prüfungskosten an, sondern viele werden auch nach der Führerscheinprüfung noch zusätzliche Stunden nehmen, um sich auf die zweite Prüfung vorzubereiten. Der Führerschein dürfte also noch einmal teurer werden, die Fahrlehrer können sich freuen.

Nicht umsonst spricht der „Auto Club Europ“, der im Gegensatz zum ADAC keine Wirtschaftsmacht hinter sich hat, sondern von den Gewerkschaften gegründet wurde, in der Welt von Pflichtstunden, die dem Forderungskatalog der Fahrlehrerlobby entstammen. Schon heute frage ich mich, wie es eigentlich möglich ist, dass es so vielen Jugendlichen gelingt, sich einen Führerschein zu finanzieren. Mit Maßnahmen wie zusätzlichen Prüfungen macht man den Führerscheinerwerb vermutlich nicht nur teurer, sondern verhindert auch weiteren Jugendlichen den Zugang zu diesem.

Eine ganz unrühmliche Rolle spielt in dieser Angelegenheit der ADAC. Laut „Saarbrücker Zeitung“ begrüßt er die Vorschläge. Laut Welt ist er hin- und hergerissen. Denn er bietet solche Prüfungen bereits an, für Mitglieder kostet das gerade einmal 90€. Diese Einnahmequelle möchte man natürlich nicht verlieren. Aber der ADAC ist auch um gute Presse bemüht um anderen Vorhaben durchzusetzen, daher signalisiert er erst einmal Zustimmung gegen die „gefährlichen“ Fahrneulinge. Gefangen zwischen eigenen Wirtschaftsinteressen und Prestigewahn ist der ADAC hier also keine Hilfe für Jugendliche.

Das Böse daran ist, dass gerade der ADAC großen Widerstand gegen Tempo-30-Zonen und allgemeinen Tempo-Begrenzungen auf Autobahnen betreibt. Dabei würden gerade diese Maßnahmen nicht nur das Klima schonen, sondern vermutlich auch für weniger Unfalltote sorgen, als eine zusätzliche, teure Prüfung.

Jugendliche Fahranfänger werden regelmäßig mit Maßnahmen gegängelt, die entweder sinnlos sind oder auf alle Bevölkerungsschichten ausgeweitet werden müssten. Im Rahmen dieser neuen, abstrusen Lobbyforderung der sich schwarz-gelb annimmt, sollte man das Rad jetzt anfangen umzudrehen: Zusammen mit den Jugendlichen sollten auch alle Menschen ab 70 regelmäßig zu Führerscheinkontrolltests. Das freut nicht nur die Fahrlehrer, die noch mehr Einnahmequellen erschließen können, sondern gibt mir auch ein sichereres Gefühl. Oder bin ich der einzige, der sich darüber wundert, dass die vielen klapprigen Gestelle hinter einigen Lenkrädern nicht zu viel mehr Unfällen führen?

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