Blutoper (ARD-Radiotatort)

Nachdem ich vor einiger Zeit schon einmal einen ARD-Radiotatort gehört habe, wollte ich es nun noch einmal versuchen. Damals überzeugte mich der Kriminalfall nicht wirklich. Die aktuelle Folge des Radiotatorts heißt „Blutoper“, wurde vom SWR produziert und spielt somit in Stuttgart. Den Fall kann man zwar nicht mehr im Radio hören, aber man kann ihn noch bis zum 15. Juni hier runterladen.

Wie der Titel schon verrät, dreht sich in dem Fall alles um die Oper. „Blutoper“ ist ein zeitgenössisches Stück, das bei den SWR-Radiofestspielen aufgeführt werden soll. Dafür wurde extra eine weltbekannte Opernsängerin angeheuert, die sich jedoch ungewohnterweise mit einer Zweitbesetzung versehen sieht, was sie in ihrer Ehre doch kränkt. Pikanterweise ist die zweitbesetzte Sängerin die Tochter des Hauptsponsors, einem Mannheimer Wurstherstellers namens Krieg. Bei den Veranstaltern gehen Drohbriefe an die Hauptsängerin ein, während die Zweitbesetzung einen verliebten Stalker am Telefon abwimmeln muss. Irgendwann wird die Festivalleitung ob der Drohbriefe nervös und verständigt die Polizei…

Positiv fällt auf, dass in diesem Radiotatort viel Lokalsprache gesprochen wird. Eigentlich hat jeder Charakter einen gewissen Akzent. Nicht baden-württembergisch klingt lediglich die Opernsängerin, die nun einmal einen italienischen Akzent hat. Lokale Eigenarten wurden bei den meisten Fernseh-Tatorts längst ausradiert. Der Radiotatort ist in dieser Hinsicht also eine schöne Abwechslung.

Allerdings sorgt der Akzent natürlich auch dafür, dass einige Sprecher nur schwer zu verstehen sind. Verstärkt wird das dadurch, dass die Podcast-Mp3-Datei ungewöhnlich leise ist. Ich musste meinen MP3-Player deutlich lauter stellen als sonst, um gut hören zu können.

Interessant und unterhaltend sind die beiden Polizisten. Der Kriminalkommissar enthüllt in dieser Folge seine Liebe zur Oper durch allerlei Detailwissen. Da er ansonsten scheinbar eher proletenhaft wirkt, erstaunt das sein Umfeld. Seine Kollegin ist sehr direkt und energisch und kann vor allem mit der Oper nichts anfangen. Das sorgt für einige gute Gespräche.

Der Fall selbst ist leider nicht besonders überzeugend. Das liegt in erster Linie daran, dass der Zuschauer den Täter von vornherein kennt. In dem Fall wird einfach zu früh enthüllt, wer sowohl die Drohbriefe als auch die Liebestelefonate schreibt beziehungsweise führt. Das nimmt der Geschichte natürlich viel Spannung. Da in einem solchen Fall der Zuhörer zum Schluss noch mit einem weiteren „Schuldigen“ überrascht werden muss, überrascht es auch nicht wirklich, dass im Laufe des Krimis eine weitere Person sich „schuldig“ macht. Interessant ist an dem Fall eigentlich nur die Verquickung mit dem „Hauptsponsor“, die sich aber relativ schnell als unergiebig herausstellt.

Etwas ungenutzt blieb leider das Potential der Mutter des verrückten Täters. Die psychischen Probleme des Täters wurden sehr gut erklärt, die Telefonate mit seiner Mutter sind emotional die Highlights der Folge. Hier hätte man die Dramatik durch das Zurschaustellen der Trauer der Mutter noch etwas verstärken können.

Zwischen den Sprechszenen sind immer wieder Opernausschnitte eingebunden. Allerdings keine Zitate aus bekannten Opern, sondern entweder Momente aus der „Blutoper“ oder aber opernähnliche Zusammenfassungen der bisherigen Handlung. Das ist schnittmäßig gut gemacht und passt klanglich halt gut in das Hörspiel, hat mich persönlich aber eher gestört. Es wirkt dadurch so, als habe man den Fall künstlich etwas in die Länge ziehen wollen. Nun ist es bei Radiohörspielen natürlich irgendwie nötig, für Atmosphäre zu sorgen. Aber ein Opernhaus und die Thematik dazu kann man sich gut vorstellen, ohne ständig Opern-Zusammenfassungen zu erhalten.

„Blutoper“ ist recht unterhaltsam anzuhören und überzeugt vor allem durch das Polizeiduo und den Täter. Der Täter ist gleichzeitig jedoch auch die größte Schwäche, da durch seine frühe Enthüllung viel Spannung verloren geht. Zusammenfassend kann man sagen, dass die Personen gut getroffen wurden und leider für einen schlechten Fall herhalten mussten.

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