Therapie ohne Krankheit

Vor kurzem verwunderte mal wieder ein interessanter, deutscher Verband. Mehrere Zeitungen berichtete, dass der „Bund Katholischer Ärzte“ Therapiemöglichkeiten für Homosexuelle anbietet. Die Berichte waren, glücklicherweise, meist negativ geprägt. Die Homepage des Verbandes spricht zwar davon, dass man Homosexualität nicht als Krankheit sehe, Therapieangebote seien dennoch möglich. Begründet wird das damit, dass einige „Betroffene“ gesellschaftliche Probleme hätten. Tja, wer sich nicht akzeptiert fühlt, sollte von seinem Verhalten abweichen. Das ist doch selbstverständlich. Ein Katholik würde in einer islamischen Gesellschaft ja auch sofort konvertieren.

Was aber nicht berichtet wurde, ist der Hintergrund dieses Verbandes. Wie viele Katholische Ärtze sind denn in dem Verband engagiert? Ist der Verband, der der Ansicht ist, dass die Weitergabe von Verhütungsmittel die Anzahl ungewollter Schwangerschaften erhöht, eine repräsentative Stimme für alle Katholischen Ärzte?

Da die deutschen Bischöfe schon seit 1969 für die Weitergabe von Verhütungsmitteln plädieren (Info ebenfalls von der Seite des BKÄ), dürfte das nicht der Fall sein. Nach Mitgliederzahlen sucht man auf der Seite vergeblich. Auch einen Wikipedia-Eintrag gibt es nicht. Dafür erhält man die Information, dass der Verband erst am 1. Januar 2010 gegründet wurde. Und zwar von einem Arzt, der sich auch als Abtreibungsgegner profiliert. Aber gegen dieses Mittel wendet sich ja auch Gruppen innerhalb etablierter Parteien wie der CDU.

Abtreibungsrecht und Homosexualität scheinen manchmal selbstverständlich zu sein. Dass es sich dabei jedoch um Dinge handelt, die von weiten Teilen der Bevölkerung skeptisch bis ablehnend betrachtet werden, wird immer mal wieder deutlich. Für zweiteres war vor kurzem Bori Palmer, langjähriger Oberbürgermeister in Tübingen und Mitglied der Grünen zuständig. Der haute vor kurzem Raus, dass man über die Forderung nach einem Adoptionsrecht für homosexuelle Paare nachdenken müsse, da man damit nicht 25 Prozent der Bevölkerung gewinnen könne. Freilich ruderte er schnell zurück, bedauerte und die Grünen veröffentlichten auf ihrer Homepage einen Artikel mit gegenteiligem Inhalt. Doch der Vorfall zeigt, dass auch Teile der Grünen – Palmer ist einer der bekanntesten schwarz-grün Befürworter – glauben, das Thema „Homosexualität“ werde von den meisten Deutschen abgelehnt.

Die Sat.1-Sendung „Eins gegen Eins“, die je mehr Quote sie verliert, immer populistischere und plattere Themen aufgreift, hat das Thema vor kurzem auch aufgegriffen. Die Schlussstatements der beiden Diskutanten sprachen Bände. Die CDU-Diskutantin gegen das Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften war einfach der Meinung, jedes Kind brauche einen Mutter und einen Vater. Sprich: Alleinerziehenden Eltern müsste das Kind eigentlich weggenommen werden, schließlich fehlt ja ein Elternteil.

Dass das Abstimmungsergebnis – selbst bei Sat.1 – zum Schluss ein Ergebnis von 61 zu 39 brachte, sollte zeigen, dass Deutschland weiter ist als Boris Palmer annimmt. Und daher bleibt zu hoffen, dass ein Verband wie der „Bund katholischer Ärzte“ nur eine Minderheitsmeinung innerhalb der Gruppe der Ärzte mit katholischer Konfession vertritt.

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