CDU in Bremen gibt auf

Die Christdemokraten haben es nicht leicht in Bremen. Seit über 60 Jahren regiert hier die SPD und dennoch wurde die CDU in Umfragen jüngst von den Grünen überholt. Während die SPD in Baden-Württemberg in dem Moment angefangen hat, zu kämpfen (was allerdings nur wenig gebracht hat), hat die Bremer CDU eine andere Lösung: Aufgeben.

So richtig will im Wahlkampf eh nichts klappen. Die Außendarstellung ist sogar völlig misslungen. „Jetzt das richtige tun“, titeln die CDU-Plakate in der Stadt. Klein findet man außerdem „Neue Wege für die Wirtschaft“. Als Bild sieht man die christdemokratische Spitzenkandidatin zusammen mit zwei Hafenarbeitern. Das Bild suggeriert, dass die CDU bei den neuen Wegen in der Wirtschaft die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer verstärkt mit einbinden möchte.

Blöd nur, dass sich herausgestellt hat, dass die volksnahen Fotokumpanen der Spitzenkandidaten aus der CDU-Poststelle und einem CDU-Ortsverband kommen. Sowohl TAZ als auch die BILD berichteten. In der BILD empörten sich Arbeiter darüber. Die CDU stellte laut Taz daraufhin klar, dass sich in der BILD-Arbeiter beklagten, die SPD-Anhänger seien. Dementsprechend sei es eine gute Idee gewesen, CDU-Mitglieder als Arbeiter auszugeben. Was nimmt man aus der Posse also mit: Arbeiter wählen eh SPD, da braucht die CDU sich nicht einmal für Fotomotive umzusehen.

Heute stand in der Taz dann eine besonders kluge CDU-Äußerung. Die Gewerkschaft der Polizei in Bremen beklagt sich über zu wenig Polizeistellen und zu hohe Sparzwänge bei der Polizei. Das lässt der CDU Parteivorsitzende Röwekamp nicht ungenutzt. Obwohl in der Taz der Innensenator darlegt, dass an der Polizei nicht mehr gespart werde als in allen anderen Feldern in Bremen, meint Röwekamp, an der Polizei dürfe überhaupt nicht gespart werden. Stattdessen müssten die etwa 2400 Stellen auf 2600 ausgebaut werden. Im Gegenzug könne man an der Uni sparen. Er fragt sich tatsächlich, ob für den Studiengang Religionswissenschaften nicht eher ein paar Polzeistellen geschaffen werden könnten. Außerdem sei die Lehramts- und Juraausbildung für Bremen nicht zwingend notwendig.

Die CDU hat in keinem Land einen Bildungsminister, lediglich im Bund stellt sie diesen Posten. Das merkt man: Von Bildung hat die Union keine Ahnung. Religionswissenschaften forschen unter anderem an der Vereinbarkeit von Religionen, also Versöhnungsforschung. Müssten nicht gerade die Ereignisse um Osama bin Laden gezeigt haben, dass so ein Studiengang notwendig ist. Und die Idee gleich ganze Lehrzweige einzustampfen ist bei der CDU auch keine neue Idee. In Schleswig-Holstein wollte die CDU zum Beispiel die Medizin-Ausbildung in Lübeck und die BWL-Ausbildung in Flensburg streichen. Allerdings bestanden die Unis da eigentlich nur aus dem jeweiligen Studiengang, man wollte also eigentlich gleich die ganzen Unis dicht machen. Wer weiß, wenn sich weiter so viel Kompetenz bei der Bremer Union tummelt, ist man bald auch bei der Entscheidung.

Krude bildungspolitische Ansätze, peinliche Plakate – die Union merkt selbst, dass die Außendarstellung nicht besonders gut läuft. Was macht sie also in der Situation? Sie gibt auf. Sie gibt auf und schickt den CDA vor.

Schon einmal etwas vom CDA gehört?

Ich auch nicht. Mittlerweile weiß ich aber, dass es so wäre, als würde die Afa (Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen in der SPD) für die SPD plakatieren. CDA steht für „Christlich-demokratische Arbeitnehmerschaft (Bremens) – CDU Sozialausschüsse“. Mittlerweile hängen in der Bremer Innenstadt fast so viele CDA-Plakate wie CDU-Plakate. Das Motiv zeigt dabei eine junge Arbeitnehmerin, die von weitem den Eindruck vermittelt, die CDU trete neuerdings für Kinderarbeit ein. Zumindest hielt eine Kommilitonin die Frau für ein Kind.

Nun gut, wenn man eigene Plakate nicht glaubwürdig gestalten kann, muss man halt mit unglaubwürdigen Plakaten einer unbekannten Arbeitsgemeinschaft an die Öffentlichkeit treten. Pech gehabt.

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