Lammbrave Grüne? Kümmernde Bundeskanzlerin?

Die großen Medien sehen in den grünen schon seit längerem die neue Volkspartei Deutschlands. Kaum ein schlechtes Wort entfleucht der Tastatur, die Protestwelle um Stuttgart 21 und die Castor-Transporte wird von den Medien mit getragen.

Doch nun auf einmal ein Bruch.
Am Wochenende war der Parteitag der Grünen. Und auf waren die Titel der Internet-Plattformen furchtbar ungrün.
Friede, Freude, Pustekuchen sieht der Spiegel bei dem Parteitag. Der Stern sieht in zwei Artikeln einmal Grüne Zumutungen und dann Die Lust auf Macht macht lammbrav. Ist das schon ein klarer Fall von Schizophrenie oder hat man erst zu später erkannt, was auf dem Parteitag vorgefallen ist? Die ZEIT wiederum sieht Graue Schatten über der grünen heilen Welt. Den Überschriften nach müsste die beinahe Volkspartei einen desaströsen Parteitag hinter sich haben.
Außer natürlich, man liest die Artikel und guckt, was der Pustekuchen, die Zumutungen und die grauen Schatten eigentlich sind. Dann merkt man nämlich, dass es sich eigentlich einzig und allein darum handelt, dass die Grünen die Olympia-Bewerbung Münchens ablehnen. Dadurch würde das Cliché bestätigt, dass die Grünen eine „Dagegen-Partei“ seien. Da stellt sich natürlich die Frage, ob es denn so verwunderlich ist, dass die Grünen einen Olympia-Bewerbung aus Umweltschutzgesichtspunkten ablehnen.
Ich stecke in der Diskussion um die olympischen Winterspiele nicht wirklich drin. Aber so weit ich weiß, müssten in München einige Veränderungen durchgeführt werden. Ist es so falsch, da unter Umweltgesichtpuntken „nein“ zu sagen?
Überraschend ist die Position dann auch nicht, schließlich sind die bayrischen Grünen schon lange gegen den Plan. Nur der Münchener Kreisverband unterstützt die Pläne. Und wäre es nicht eigentlich komisch, wenn die Partei der Linie des Bundesvorstandes folgte und nicht der des betroffenen Landesverbands?
Das eigentlich merkwürdige ist das, warum der grüne Bundesvorstand für Olympia war. Da zeigt sich dann, dass der Bundesvorstand gerne Volkspartei sein würde und sich danach verhält. Das Verständnis von Özdemir und Co scheint zu sein, wenn man auch mal dafür ist, obwohl die Umwelt belastet wird, ist das Volkspartei. Dabei geht durch jedes Moorburg und jede Umweltverletzung durch Grüne doch ein Stück Kernidentität verloren. Kein Wunder also, dass die Basis dazu „nein“ sagt.
Ein Wunder aber, dass die Medien dass so furchtbar negativ sehen. Hier wird der Eindruck vermittelt, es sei schlecht, wenn die Grünen grün seien. Paradox.
Die „Zumutungen“, von denen der Stern berichtet, ist übrigens die Bürgerversicherung, die reichere stärker belastet. Da Begünstigtere mittlerweile das Kernklientel der Grünen sind, sei das eine Zumutung für die eigenen Wähler. Zu diesem merkwürdigen Kommentar sollte man nur sagen, dass das rot-grüne Bürgerversicherungskonzept bereits seit 2005 bekannt ist und eigentlich niemanden verwundern sollte.

Und während man die negativen Schlagzeilen zu den eigentlich gar nicht so negativen Ereignissen liest, wird einem der Eindruck vermittelt, die Bundeskanzlerin kümmert sich um die Bürger. Denn die Regierung hat eine 3 Millionen teure PR-Kampagne gestartet. Diese besteht aus einem „persönlichen“ Brief der Bundeskanzlerin, indem sie sich für die harte Arbeit der deutschen Staatsbürger bedankt. Der Brief erschien nicht nur in den wichtigen Zeitungen (Spiegel, Zeit etc.), sondern war heute auch auf stern.de als Werbung zu sehen.
Da ist es mir doch lieber Steuern gehen nicht in den Bau von Olympia-Gebäuden, anstatt dass sie in eine PR-Kampagne einer PR-amoklaufenden Bundesregierung.

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