Die Jungfrau von Orleans (von Friedrich Schiller)

Schiller dramatisiert in „Die Jungfrau von Orléans“ die Ereignisse um Jeanne d’Arc. Dabei ignoriert er konsequent einen Großteil der Geschichte. Er lässt Johanna Frieden mit Burgund schließen, lässt die Franzosen sie schon als Hexe verbannen und sie direkt in die Gefangenschaft der Engländer geraten. Außerdem sind Personen an ihrer Seite, die erst viel später existierten, während andere früher sterben als sie eigentlich gestorben sind.

Das alles ist ja durchaus legitim, wenn man dadurch ein bestimmtes Ziel verfolgt. In Schillers Werk wird aber nicht wirklich deutlich, warum diese Änderungen sein mussten.

Schiller untertitelt das Drama als „romantische Tragödie“, was wohl auf das „Wunder“ Johannas zurückzuführen ist und auf die Tatsache, dass sie überirdische Hilfe erhält. Leider ist der Höhepunkt, dass sich Johanna in einen Engländer verliebt. Im vierten Akt wird sie dann von ihrem eigenen Vater als Hexe angeklagt und wehrt sich mit keinem Wort, obwohl sie es könnte. Später erklärt sie ihrem Jugendverehrer, warum sie das getan hat. Ersichtlich wird die Tat dadurch nicht. Selbst für eine Tragödie ist dieser „tragische Fall“ doch zu selbstverschuldet, um sinnig zu wirken.

Allerdings liest sich der Dramentext recht gut. Die Geschichte bewegt und führt zum Weiterlesen. Laut Wikipedia ist „Johanna von Orléans“ das Drama Schillers, was zu seinen Lebzeiten am häufigsten aufgeführt wurde. Das ist durchaus vorstellbar, denn die Geschichte ist sicher auch auf der Bühne spannend.

Auf dem Reclam-Rücken steht, dass Schiller die Geschichte des Bauernmädchens aus den „Grenzen des bloßen Geschichtsdramas“ herausreißt. Ob das unbedingt notwendig war und ob es unbedingt notwendig war, Johannas Fall durch ihr eigenes, selbstverschuldetes Schweigen einzuleiten, ist fraglich. Dadurch wirkt Johanna, die ja schweigt, weil sie ihren Vater respektiert und genug von der Rolle an Hof hat, natürlich um so edeler. Und Schiller hat ja gerne edle Hauptfiguren, die er dann umbringt…

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