Unkritisch und anspruchslos

Beim Studieren der Unterlagen für die nächste Ratssitzung fällt mir wieder einmal zwei Dinge auf.
1. Wie unkritisch Jugendliche doch sein können
und
2. Wie anspruchslos die Verwaltung ist.

Denn da wird in der Stellungsnahme der Verwaltung für die Schaffung eines Jugendbeirates wieder einmal gefordert, die umfangreichen Wahlmöglichkeiten für Jugendliche zu reduzieren und stattdessen wieder zu einem undemokratischen Wahlrecht zurückzukehren, das die Verwaltung aber für „sachgerecht, ausreichend und kostengünstiger“ hält. Dabei haben sowohl Politik (einstimmig, also FDP,CDU, SPD, Grüne und Linke!) als auch die Jugendlichen den Plan verworfen und als absolut undemokratisch gegeißelt.
Den Jugendlichen (die von der Verwaltung betreut werden) wird allerdings eingetrichtert, dass die Politik (bzw. die ehrenamtliche Selbstverwaltung) permanent etwas zu kritisieren hätte.

Sprich:
Auf der einen Seite versucht die (nicht gewählte) Verwaltung mit allen Mitteln ihre Vorstellungen durchzusetzen und auf der anderen Seite machen sie dann Stimmung gegen die Politik.

Das Traurigste an der ganzen Sache ist aber, dass die Jugendlichen das nicht einmal merken. Dabei steht es gleich auf der zweiten Seite der Beschlussvorlage.
Ein weiteres Zeichen wie unkritisch die meisten heute doch geworden sind.

Natürlich nervt es ständig, über Jugendliche zu ätzen. Aber als Jugendlicher muss man das einfach mal feststellen. Bei der heutigen Obrigkeitsgläubigkeit junger Menschen ist es kein Wunder, dass in Deutschland kaum etwas passiert. Denn Verwaltungen machen nur das günstigste, einfachste und am wenigsten aufwendigste.

Es wäre wünschenswert, wenn mal wieder ein politisch interessierte und kritische Generation aufwachsen würde und keine, die nur in Jungparteien strömt, um dort Karriere zu machen.

Zum Schluss noch ein vertontes Gedicht Bertolt Brechts aus dem dänischen Exil:

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