The Uncommon Reader (von Alan Bennett)

 <br /> „It was all the dog’s fault“, ohne ihre Hunde wäre die Quenn nicht in Verlegenheit gekommen, sich bei dem Betreiber eines Bücherbus im Palasthof zu entschuldigen. Aus Höflichkeit nimmt sie ein Buch mit. Die Lektüre ist zäh, doch beim nächsten Mal nimmt sie wieder ein Buch mit. Und auf einmal wird die sonst so pflichtbewusste Königin zur passionierten Leserin.
Damit haben wiederum Hofstaat, Minister und andere Leute ein Problem, denn eine lesende Königin passt nicht in ihr Weltbild. Doch davon lässt sich eine altgediente Monarchin natürlich nicht beeindrucken…

„The Uncommon Reader“ ist ein extrem ruhiges Buch. Die Queen entdeckt ihre Leseleidenschaft und zieht sich immer mehr von ihren vielen Pflichten zurück. Statt über banalen Dingen spricht sie während Audienzen nun über Bücher.

Das ist dennoch auf eine besondere Art und Weise spannend.
Denn natürlich ist abzusehen, dass sich dieser Lebensstil nicht mit den Aufgaben einer Königin verbinden lässt. Außerdem wird die Queen mit jedem Buch „sensibler“. Immer häufiger merkt sie, dass sie die Verhaltensweisen und Gefühle anderer Menschen besser nachempfinden kann. Während sie früher nur aus ihrer „monarchischen“ Perspektive geurteilt hat, erscheinen ihr viele Verhaltensweisen nun verständlicher.

Interessant ist natürlich auch der Umgang des Hofstaates mit dem neuen Hobby ihrer Vorgesetzten. Alle Diener erklären die Queen bei jeder neuen Marotte sofort für „senil“. Ein Verständnis für Leseleidenschaft scheint niemand zu haben.

Natürlich ist es auch eine skurile Vorstellung, dass die Queen wegen Büchern auf einmal ihren gesamten Lebensstil ändert. Dennoch erscheint es gleichzeitig durchaus realistisch. Auch die Wandlung, die sie durch literarische Einflüsse durchmacht, wirkt authentisch.
Dies unterstützt den Humor, der sich durch das Buch zieht.

Denn für die Queen ist es eigentlich unvorstellbar, dass sie hinterfragt wird. Außerdem muss sie sich nicht, um die Meinungen anderer Menschen kümmern. Daher passt der deutsche Titel „Die souveräne Leserin“ auch ganz gut.

Der Vorteil der Reclam-Ausgabe ist, dass jeder erwähnte Autor annotiert ist. Das mag sich unsinnig anhören, ist bei der Fülle der Werke, die die Queen konsumiert, eine große Hilfe.

Das Lesen des Buches macht auch dank des Stil Bennetts Spaß. Sein – schon erwähnter – Witz, der alles Geschehende als das Natürlichste der Welt wirken lässt und gleichzeitig immer bedingungslos auf der Seite der Queen steht, bricht zu keinem Zeitpunkt ab.

Eigentlich ist schnell klar, dass die Geschichte nur mit einer Handlung der Queen enden kann. Wie das dann aber geschieht, ist auch noch ein Kunstgriff, der durchaus als gelungen bezeichnet werden kann.

Insgesamt ist „The Uncommon Reader“ also keine großartige, aufwändige Geschichte. Dafür ist sie aber eine witzige Geschichte, die nebenbei verdeutlicht, wie toll Lesen ist und was man dadurch alles gewinnen kann.

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