Jesus liebt mich (David Safier)

Safiers erster Roman Mieses Karma hat mir sehr gut gefallen. Daher habe ich mich auch an seinem zweiten Roman „Jesus liebt mich“ versucht.

Wie bei „Mieses Karma“ lässt sich zu dem Buch selbst nicht viel sagen. Die Gagdichte ist enorm. Die Handlung lässt sich zwar grob zusammenfassen, für alle Einzelheiten würde man aber ewig brauchen.

Jesus wandelt wieder unter den Menschen. Das muss Marie, die gerade ihren Freund bei der Hochzeit sitzen gelassen hat, feststellen. Bald findet sie heraus, dass Jesus eine Aufgabe hat: Er soll das jüngste Gericht einleiten, damit Gott die Menschheit endlich richten kann.
Marie aus Malente muss Jesus überzeugen, dass es die Menschheit wert ist, weiterleben zu dürfen. Gleichzeitig entwickelt sie aber auch Gefühle für den Sohn Gottes…

Die Synopsis klingt erst einmal unglaublich schlecht. Und tatsächlich erreicht das Buch zunächst auch nicht die Qualität von „Mieses Karma“. Dafür ist die Hauptperson, Marie, einfach zu durchschnittlich und platt.

Dafür dreht „Jesus liebt mich“ aber viel weiter auf, als „Mieses Karma“. Während der Vorgänger ein durchgehend gutes, witziges Niveau erreichte, steigert sich dieser Roman mit jeder Seite.

Im Laufe der Geschichte treten so der menschgewordene Erzengel Gabriel auf (der in Maries Mutter verliebt ist), Satan, der seine apokalyptischen Reiter rekrutiert und noch einige, weitere skurile Gestalten. Der Witz liegt dabei meist in detailreichen Bibelverdrehungen. Wie zuvor die buddistische Lehrer, werden hier nun die Wiedersprüche des Christentums durch den Kakao gezogen. Denn natürlich gilt zunächst auch: Wie soll man all die Atheisten davon überzeugen, dass Jesus auf der Erde wandelt?

Auch Maries Eltern sind sehr gelungen. Sieht es zunächst noch so aus, als wäre Maries Vater ein stereotyper, notgeiler Sack mit einer osteuropäischen Freundin, wandelt sich dieses Bild im Laufe des Romans. Maries Mutter, eine Psychaterin, sorgt ebenfalls für einige witzige Szenen.

Besonders wird das Buch aber durch die Cartoons, die Safier eingearbeitet hat. Maries Schwester zeichnet sie für ein Magazin und Marie findet sie immer mal wieder in seltsamen Situationen. Das Maries Schwester vom Teufel umworben wird, sorgt dafür, dass die Cartoons für deutliches Schmunzeln sorgen.

Zum Schluss übertrifft „Jesus liebt mich“ durch die Schlacht des jüngsten Gerichts mitten in Malente sogar noch ein wenig die Skurilität aus „Mieses Karma“.

Zunächst nicht gänzlich überzeugend, steigert sich der Roman immer weiter zu einem wirklich überzeugenden Höhepunkt. Auf dem Weg dorthin sprüht das Buch vor Witzen und Anspielungen beinahe über. Insgesamt eine teils kurzweilige, teils brüllend komische Lektüre.

Aber auch hier gilt wieder: Humor ist Geschmackssache. Bei Amazon gibt es auch Bewertungen von einem Stern mit Kernaussagen wie: Achtung – Dieses Buch tut trivial, möchte in Wirklichkeit aber den Atheismus fördern.

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