Gut gegen Nordwind (von Daniel Glattauer)

Ich glaube über „Gut gegen Nordwind“ wurde in den letzten Jahren schon recht viel geschrieben.
Was früher der Briefroman war, wird hier nun als Emailroman angepackt. Und wie auch bei Goethes Werther wird darauf geachtet, dass die Worte sich besonders schön anhören. Da Glattauer aber nun einmal nicht Goethe ist (Überraschung!), kommt er natürlich nicht an die Sprache heran (und möchte es natürlich auch gar nicht) und „Gut gegen Nordwind“ ist gerade deswegen (oder trotzdem) etwas unterhaltsamer als der Werther.

Doch auch dieses Buch weist in der Mitte einige Längen auf. Schließlich ist von Anfang an klar, dass die Unterhaltung zwischen der verheirateten Emmi und dem Universitätsmitarbeiter Leo irgendwann in Richtung Liebe ausschlagen wird.
Das ist zunächst sehr interessant, weil es ja noch gänzlich offen ist, wie es passiert. Die Dialoge, die die beiden per Email führen, sind dabei streckenweise sogar recht aufschlussreich. Meistens lesen sie sich aber einfach „nur“ nett.
So ist es erst überraschend, wie den Charakteren Profil per Email verliehen wird und gleichzeitig noch ein paar Gedankenanstöße mitgeliefert werden. Später tendieren die Gedankenanstöße (die Personen glaubt man ja schnell zu kennen) dann doch eher Richtung Platitüde.

Dann nimmt das Buch gegen Ende aber noch einmal eine unerwartete Wendung. Ab da kann es eigentlich nur noch schlecht ausgehen. Angenehm ist in dem Fall auch, dass ein „Mainstream“-Buch mal dem Happy-End-Wahn wiedersteht.

Insgesamt ist „Gut gegen Nordwind“ also eine nette, schöne und unterhaltsame Lektüre, die aber auch die ein oder andere Schwerfälligkeit aufweist. Honoriert werden sollte aber eigentlich auf jeden Fall die Idee, aus den unglaublichen Möglichkeiten der elektronischen Nachrichtenübermittlung einen Roman zu machen.

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