Junges Licht (von Ralf Rothmann)

Der zwölfjährige Julian hat es nicht leicht. Als Sohn eines Bergarbeiters wächst er in eher ärmlichen Verhältnissen um 1960 in einer Bergarbeitersiedlung auf. Dabei wird er von seiner Mutter geschlagen und insgesamt von seinen Eltern eher vernachlässigt. Dennoch erlebt er ereignissreiche Sommerferien mit dem einen oder anderen Unglück…

Ich kann es nur erahnen. Aber ich habe das Gefühl, dass dieses Buch ein gutes Buch vom Leben eines Jugendlichen in einer Bergarbeitersiedlung gezeichnet hat. Die Enge, der Schmutz, alles kommt einem sehr authentisch vor beim Lesen.

Gleichzeitig ist das natürlich noch nicht alles, was dieses Buch bereit hält. Julians Mutter ist erkrankt und muss zu einer Kur an die Ostsee. Julian selbst schafft sich eine Beschäftigung im „Tierclub“, wobei er von den anderen nur akzeptiert wird, wenn er für sie Zigaretten stielt. Zu allem Überfluss neckt ihn auch noch die 15-jährige Nachbarstochter.

Die ganze Zeit über denkt man, dass noch irgendetwas schlimmes passieren muss. Denn das Buch hat diesen typischen „es wird immer schlimmer“-Charakter. Naiv dümmlich tappt Julian nämlich von einem Missgeschick ins nächste. Lässt er sich zunächst in einen Diebstahl von Süßigkeiten verwickeln, wird im später das wertvolle Fahrrad seines Vaters entwendet.

Doch für Julian selbst endet das Buch gar nicht besonders übel. Viel mehr lebt die Spannung eigentlich nur von der Erwartung eines solchen Ereignis.

Natürlich gibt es auf den letzten Seiten noch eine deutliche Wende, die der Leser schnell erahnt, die Julian aber gar nicht richtig versteht.

Und das ist dann eigentlich der größte Charme des Buches. Eine Bergarbeitersiedlung aus der Sicht eines zwölfjährigen. Da hält der Inhalt, was der Titel verspricht: „Junges Licht“. Das ist nett zu lesen, mangelt an einigen Stellen aber an Spannung. Da das Buch mit seinen 230 Seiten aber recht knapp geraten ist, fällt das bei den gut gezeichneten Charakteren aber nicht enorm auf.

Interessant ist, dass die aus der Ich-Perspektive von Julian geschilderte Geschichte mehrmals unterbrochen wird. Dann wird die Arbeit eines namenlosen Bergarbeiters erzählt, der zuletzt wahrscheinlich bei einem Missgeschick ums Leben kommt. Eigentlich macht es nur Sinn, wenn dieser jemand Julians Vater ist.
Da dieser sich zum Schluss auch eines Missgeschicks in seinem Privatleben schuldig macht, wäre das durchaus zu vermuten. Mit endgültiger Gewissheit kann man das aber nicht sagen.
Andererseits vermutet man aber schon die ganze Zeit, dass in einer Geschichte über Bergarbeiter irgendwann auch ein Grubenunglück passieren muss.

Diese Szenen stören jedoch in gewisser Weise die Beschreibungen von Julian. Andererseits wird dadurch auch deutlich, was Julians Vater auf der Arbeit alles durchmacht. So wird zumindest klar, warum der sich nicht richtig um seinen Sohn kümmern kann.

„Junges Licht“ ist eine eindrucksvolle Beschreibung der Sommerferien eines 12-jährigen um 1960, dass zeigt, dass es nicht immer die größten Tragödien sein müssen (auch wenn es zum Schluss tatsächlich einen Unfall geben sollte, trifft es nur eine Person). Andererseits fehlt es dem Buch dadurch in einigen Punkten an der Spannung, die ein Weiterlesen notwendig macht. An der Mehrzahl sorgen jedoch die naiven Aktionen Julians dafür, dass ein Weiterlesen dennoch interessant bleibt.

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