Die letzte Liebe des Präsidenten (von Andrej Kurkow)

Sergej Pawlowitsch hat es geschafft. Er ist der Präsident der Ukraine im Jahr 2015. Nachdem er aus einer Herzoperation aufwacht, muss er feststellen, dass bei weitem nicht alles so läuft, wie es sein sollte. Während er entdeckt, dass ihm ein präpariertes Herz eingepflanzt wurde, muss er sich außerdem auch noch mit Unruhen im Inneren herumschlagen. Damit ist jedoch nicht nur sein Land gemeint, sondern auch seine bewegte Vergangenheit. Denn so viele Frauen es in der auch gegeben hat, letztendlich war die große Liebe nie wirklich dabei. Und vielleicht ist es nun ja Zeit für die letzte Liebe des Präsidenten…

Das Buch ist für die Thematik recht dick. Es ist wirklich mehr als verwunderlich, dass es dem Autor über etwa 700 Seiten gelingt, den Spaß an der Geschichte aufrechtzuerhalten.

Das dies gelingt, liegt wohl zum größten Teil daran, dass das Buch auf drei Zeitebenen spielt.
Einmal wird Pawlowitschs Jugend erzählt. In dieser Zeit, die sich zum Großteil mit der Sowjetzeit überschneidet, war er eher unambitioniert. Von hier ist überhaupt nicht abzusehen, wie jemand wie er Präsident werden kann.
Auch die zweite Handlungsebene, die im Jahr 2004 spielt, wird da nicht deutlicher. Hier ist er ein einfacher Ministeriumsbeamter wieder ohne Ambitionen. In beiden Ebenen lernt er Mädchen und Frauen kennen. Zu beinahe jedem Zeitpunkt ist es schleierhaft, wie es zu der dritten Handlungsebene kommen kann.
Dort ist er nämlich ein Präsident mit einer Erfahrung. Auf Deutsch: Er ist völlig desillusioniert und völlig vereinsamt an der Spitze der Macht.

Wie der Titel eigentlich schon sagt, wartet man die ganze Zeit auf die letzte Liebe des Präsidenten. Diese Handlung wird aber nur in jedem dritten Kapitel weitergeführt. In den anderen erlebt man die Frauengeschichten seiner jüngeren Jahre. Das ist durchaus spannend, immerhin soll eine unerfüllte Liebe aus vergangener Zeit auftauchen.

Nebenbei gibt es noch viele witzige Situationen. Denn die Lage in Kurkows Ukraine ist mehr als absurd. Allerdings kann man es sich recht schnell, recht gut vorstellen. Irgendwie traut man der Ukraine solche verwirrten Zustände sehr gut zu.

Andererseits hat dieses Buch auch etwas Tragisches, immerhin ist es Pawlowitsch nicht gelungen, sein Leben selbstbestimmt zu führen. Er scheint immer nur von den Ereignissen getrieben zu werden.

Das Ende ist dann mehr als überraschend. Denn keine der Zeitlinien wird zu einem wirklichen Abschluss geführt. Der Großteil bleibt der Fantasie überlassen. Der Autor legt in einem Schlusswort sogar noch einmal besonderen Wert darauf, dass der Leser sich die Geschichte weiterdenken soll. Er geht gar so weit, dass man ihm mögliche weitere Enden zuschicken sollte. Nur gibt er selbstverständlich keine Adresse an…

Insgesamt ein interessantes Buch, das sowohl Liebesgeschichte, Politthriller als auch Satire ist. Ob es mit der letzten Liebe Pawlowitschs passiert, ob es gut endet und was in den „Lost Years“ noch so geschieht, bleibt am Ende dem Leser überlassen, was dafür sorgt, dass man noch eine Weile dieses kurzweilige Buch in Erinnerung hat.

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