Hyperion (von Dan Simmons)

Lange genug hat es ja gedauert, doch nun habe ich es beendet: Hyperion von Dan Simmons. Empfohlen wurde mir von Tom Tiefer.

Auf der abgelegenen Welt Hyperion treibt ein Wesen, das „Shrike“ genannt wird, sein Unwesen. Es ist unberechenbar und außerdem für den Tod vieler hundert Menschen verantwortlich. Meistens hält es sich in der Nähe der sogenannten „Time tombs“ auf. Das sind Höhlen auf Hyperion auf denen die Zeit interessanterweise rückwärts läuft. Niemand kann sich so richtig erklären, warum das so ist.
Die galaktische Lage sieht derzeit nicht sonderlich gut aus. Ousters, von der Zentralmacht abgewichene Rebellen, greifen Hyperion an. Da diese Welt noch nicht im sogenannten „web“ ist, lässt Unterstützung auf sich warten.
Unter diesen Umständen machen sich sieben Pilger auf den Weg zu den „Time tombs“. Organisiert wurde das Ganze von der „Shrike Church“. Es soll die letzte Pilgerfahrt sein.
Auf dem Weg erzählt jeder der sieben Pilger nacheinander seine Geschichte. Dadurch erfährt man mehr über die Situation Hyperions und über die so genannte „Hegemony“.
Mit der Zeit merkt der Leser, dass sich hier nicht das Schicksal einer Kolonie entscheidet, sondern der ganzen Galaxis…

Zugegeben, zunächst hat mir das Buch nicht ganz zugesagt. Vielleicht liegt das an meiner Entscheidung, es auf Englisch zu lesen. Auf jeden Fall wird man erst einmal verwirrt. Das Reisen in dieser Zukunftsversion ist mehr als kompliziert. Man hat „time lacks“ und bleibt scheinbar jung, während andere altern.
So richtig ist einem auch nicht bewusst, wo das Problem liegt. Warum pilgern die zu einem tödlichen Monster? Macht das Sinn? Nein. Warum pilgern die auf einem Planeten, der von der Vernichtung bedroht ist? Schwachsinn?
Fast wirkt es ein wenig lächerlich, dass die Pilger dann beginnen nacheinander ihre Geschichten zum Besten zu geben.

Die erste Geschichte zieht sich dann auch gleich etwa 75 (von 485) Seiten hin. Sie ist zwar recht interessant und hat viel von dem vielgerühmten „Sense of wonder“, doch irgendwie stellt sich auch hier die ganze Zeit die Frage: „Was soll das?“.

Doch schon mit der Szene zwischen der ersten und der zweiten Geschichte wird deutlich: Hier kündigt sich etwas episches an.
Die zweite Geschichte eines Kommanders der „Hegemony“-Streitkräfte schöpft dann auch gleich aus den Vollen. Von da an wird jede Geschichte spannender, epischer aber auch wahnwitziger. Dennoch scheinen sie in diesem Universum plausibel.

Bald zeichnet sich auch ab, dass das Buch lediglich aus den Geschichten der Pilger besteht. Das stört zu dem Zeitpunkt aber gar nicht mehr, denn mit jeder Geschichte erfährt man weitere Details aus dem Hyperion-Universum.
Schnell zeichnet sich auch ab, dass es um größere Zusammenhänge gibt. Seit Jahrhunderten gab es keine richtig großen Kriege mehr. Das könnte sich nun ändern, den mit dem Öffnen der „TIme tombs“ werden sich entweder die Androiden gegen die Menschen erheben oder der/das „Shrike“. So oder so wird es Tod, Leid und Zerstörung geben. Werden die Pilger das aufhalten können? Man erfährt es wohl erst im nächsten Band.

Und das ist auch ein wenig der Kritikpunkt. Man bekommt zwar in epischen Kurzgeschichten ein völlig neues Universum erklärt, über der/das „Shrike“ erfährt man jedoch fast nichts. Worin liegt eigentlich seine Motivation? Woher wusste man zum ersten Mal von diesem Wesen? Wieso ist die „Shrike Church“ im gesamten „Web ausgebreitet und wie ist sie entstanden?
Antworten darauf bietet hoffentlich „The fall of Hyperion“.

Denn auf der anderen Seite ist dieses Buch auf fast schon geniale Art und Weise konstruiert. Wie schon erwähnt strotzen die Geschichten nur vor kleinen Details, die sie nach und nach enthüllen.
Hier ein paar Beispiele:
In der einen Geschichte erfährt man, dass es in ein paar tausend Jahre eine ganz neue Militärform gibt. Man geht wieder zurück auf die Kampfmethoden des Mittelalters. Ziel ist es dabei, keine Zivilisten umzubringen, um als Armee kein schlechtes Image hat.
In einer der letzten Geschichten merkt man hingegen, dass das sogenante „TechnoChore“ fast alles in der „Hegemony“ kontrollieren könnte.
Stück für Stück entsteht so ein Universum vor dem Auge des Lesers.

Die „Hegemony“ selber scheint auch ein seltsames Gebilde zu sein. Zwar ist es mehr oder weniger demokratisch, zögert aber auch nicht davor, Kolonien mit Waffengewalt einzugliedern.
Seltsam ist es sowieso, warum es Kolonien gibt, die noch nicht eingegliedert sind? Wurde das „Web“ erst danach erfunden und dieses sind noch nicht integriert? Oder muss eine Kolonie erst besiedelt werden und dann ins „Web“ integriert werden?

Interessant sind auch die Religionen in „Hyperion“. Während die katholische Kirche kurz vor der Auflösung steht, scheint es das Judentum weiterhin zu geben. Dieses scheint auch sehr stark zu sein.
Ich glaube, auch mal etwas von Moslems gelesen zu haben. Hinzu kommen noch „Templar“ und die „Shrike Church“. Auch hier wäre es wieder interessant, Informationen über deren Entstehung (bzw. Aufstieg oder Niedergang) zu bekommen. Ich fürchte, mit solchen Erklärungen könnte Simmons ganze Enzyklopädien füllen.

Schafft man die ersten hundert Seiten ist „Hyperion“ also mehr als lesenswert. Mittlerweile wurden mir auch die drei Fortsetzungen – auf Englisch – geschenkt. Zwar werde ich jetzt erst einmal wieder ein Buch auf Deutsch lesen, doch gleich danach, stürze ich mich auf die Fortsetzung. Denn das „Hyperion“-Universum weiß einen trotz einiger Längen in seinen Bann zu ziehen.
Hoffentlich habe ich bis dahin nicht viele Details wieder vergessen und hoffentlich habe ich überhaupt erst einmal das Wichtigste verstanden.

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